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Zuletzt aktualisiert: 11.11.2011 um 21:05 UhrKommentare

"Verklopfen Sie uns bitte später"

Das neue Direktorium der Salzburger Festspiele stellte das Programm für 2012 vor. Fazit: Bewährte Hits und ein paar interessante Neuigkeiten.

Nikolaus Harnoncourt, der der Oper in Salzburg schon Ade sagte, kehrt mit Mozarts "Zauberflöte" (Regie: Jens- Daniel Herzog) zurück

Foto © KanizajNikolaus Harnoncourt, der der Oper in Salzburg schon Ade sagte, kehrt mit Mozarts "Zauberflöte" (Regie: Jens- Daniel Herzog) zurück

Die Namen: Netrebko, Breth, Garana, Simonischek, Samel, Hampson, Abbado, Harnoncourt, Ofczarek, Kühmeier, Barenboim, Mehta, Brook, Metzmacher, gergiev, Muti, Hermanis, Bartoli, Scholl, Carreras, Domingo u. a.

Die Werke: Zauberflöte, Carmen, Peer Gynt, Ariadne auf Naxos, La Bohème, Die Soldaten, Prinz Friedrich von Homburg, Der Bauer als Millionär u. a.

Die Orchester: Wiener Philharmoniker, Cleveland, Berliner, West-Eastern Divan, London Symphonic, Gewandhaus, Concertgebouw u. a.

Die Summe: 232 Aufführungen in 45 Tagen an 15 Spielorten.

Der Wurlitzer Salzburger Festspiele ist mit Greatest Hits gefüllt, Präsidentin Helga Rabl-Stadler, Intendant Alexander Pereira und Schauspielchef Sven Eric Bechtolf warfen ihn gestern in der Felsenreitschule vor mehr als 100 Journalisten an. Wobei Pereira über eine Stunde ohne Punkt und Beistrich redete. Er nahm die Gelegenheit eher als Antrittsvorlesung wahr und bat am Ende die versammelte Presse: "Geben Sie uns eine Chance, verklopfen Sie uns bitte später".

Hinter dem Wust an bewährten Erfolgsstücken und Künstlerprominenz gilt es aber auch, einige interessante Neuigkeiten zu entdecken: Mehr denn je werden die Wiener Philharmoniker an die Festspiele gebunden. Allein heuer spielen sie vier Opernpremieren und fünf Konzerte. Das passt zur kommenden Preiserhöhung im oberen Segment.

Antipoden

Als Antipode zu den Klassik-Hit, setzen sowohl Pereira als auch Bechtolf auf Gegenwartskunst: Pereira vergibt ab 2013 jährlich einen Kompositionsauftrag für eine Oper, Bechtolf die Uraufführung eines Stücks: 2012 beginnt er mit "Meine Bienen, eine Schneise" von Händl Klaus. Dazu kommen spartenübergreifende Kreationen, wie man sie speziell vom "steirischen herbst" der letzten Jahre kennt, etwa Gisèle Viennes "This Is How You Will Disappear". Eher neu als Sparte sind Kinderopern und Figurentheater für Erwachsene; Letzteres kommt 2012 mit "Der Bauer als Millionär" aus Nürnberg.

Neues gibt es auch an den Rändern des Festivals: Fünf Tage vor Beginn startet nächsten Sommer erstmals "Ouverture Spirituelle", ein international besetzter Schwerpunkt religiös inspirierter Musik. Im Dom, wo Nikolaus Harnoncourt Mozarts "Missa Longa" dirigieren wird, werden dafür die historischen Gobelins wieder so gehängt, dass die derzeitige Nachhallzeit von acht Sekunden wieder auf die weit kürzere zu Mozarts Zeiten reduziert wird. Das nennt man wohl Originalklang mit allen Mitteln. Das Programm wird sich auch interreligiöser Musik widmen: Heuer liegt das Augenmerk auf Werken des Judentums. Und am Ende soll ein großer Festspielball laut Pereirara für einen "vehementen Abschluss" sorgen. Und wohl auch für zusätzliche Einnahmen.

Umschichtungen

Helga Rabl-Stadlers Geschick im Umgang mit Sponsoren ist bekannt und Alexander Pereiras Fortune mit privaten Geldgebern aus Zürich legendär. Die beiden haben ausgerechnet, dass die Festspiele schon allein aus pekuniären Gründen künstlerisch ausdünnen müssen, schaffe man nicht neues Geld herbei. Der Fixlohnkosten-Auftrieb betrage rund 500.000 Euro pro Jahr, die öffentliche Hand gleiche das aber nicht entsprechend aus, wodurch es zu Umschichtungen aus dem künstlerischen Budget kommen müsse.

Stolz verkündeten man, für 2012 zusätzliche fünf Millionen Euro lukriert zu haben. Ein Drittel soll die Kartenpreiserhöhung im oberen Segment liefern, was Rabl-Stadler relativierte: "58 Prozent der Karten kosten zwischen fünf und 100 Euro". Zwei Drittel stammen von privater Seite, vor allem vom neuen, zusätzlichen Hauptsponsor, dem Nobel-Uhrmacher Rolex. Offenbar erkannte man die Zeichen der Zeit.

In Salzburg finden 2012 also keine Revolutionen statt. Wozu auch? Interims-Intendant Markus Hinterhäuser hat heuer die Latte so hoch gelegt, dass es schon eine Herausforderung wird, sie abermals zu überspringen.

FRIDO HÜTTER

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