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Zuletzt aktualisiert: 26.08.2010 um 22:50 UhrKommentare

Ein Italiener liebt es russisch

Musik von Schmerz und Traurigkeit, die Pforten öffnete: Ferruccio Furlanetto singt bei den Salzburger Festspielen Orchesterlieder von Modest Mussorgsky.

Foto © APA

In Salzburg stellte Ferruccio Furlanetto kürzlich seine auf dem neuen Label Prestige Classics Vienna erschienenen "Songs" von Rachmaninov und Mussorgsky vor, bei denen er von Igor Tchetuev am Klavier begleitet wird. Und am Donnerstag hat der 61-Jährige, der schon in zwei konzertanten Festspiel-Aufführungen von "Norma" mitwirkte, seinen Auftritt mit dem Concertgebouworchester Amsterdam, ebenfalls mit Mussorgsky.

"Seine Musik kommt aus der Seele des russischen Volkes, ist von Schmerz und Traurigkeit geprägt", schwärmt der aus der Nähe von Pordenone stammende Bass, "die Russen haben ja eine starke Neigung zum Leiden. Ihre Geschichte hat ihnen dafür genug Ursachen geliefert. Wunderbar, wenn diese Stimmungen zu Musik werden. Ich habe Mussorgskys Musik tief auf mich einwirken lassen, und sie hat mir die Pforten zu meiner Lieblingsrolle - Boris Godunow - geöffnet."

Mit den Salzburger Festspielen verbindet Furlanetto ja eine reiche gemeinsame Geschichte. Kein Geringerer als Herbert von Karajan hatte ihm die erste Chance gegeben, ihn für die Partie von König Philipp II. in "Don Carlo" zum Vorsingen bestellt: "Er schaute kurz rein, verschwand wieder und ließ mich acht Stunden zappeln", erinnert sich der Italiener lebhaft. "Dennoch wurde es das beste Vorsingen, das ich je hatte. Karajan meinte noch, meine Stimme sei sehr interessant, nur an der Interpretation sollte ich noch feilen".

Der Maestro habe ihm ein Tonband mitgegeben, das er sich anhören sollte, und bestellte ihn für nächsten Tag um 12 Uhr erneut. "Und er war wirklich zu dieser Zeit da, setzte sich 45 Minuten ans Klavier, um mich zu begleiten, und war nachher richtiggehend enthusiastisch. Das war der Moment, in dem aus einer eher unscheinbaren Karriere eine wirkliche wurde."

Ein anderes Karajan-Angebot sei der Leporello gewesen: "Ich hatte ja auf die Partie des Don Giovanni gehofft. Aber bitte, wer hat schon gewagt, einem Karajan etwas abzulehnen? Samuel Ramey war damals der Don Giovanni. Jean-Pierre Ponnelle inszenierte. "Ein großartiger Opernregisseur und Mensch", sagt Furlanetto, "wir wurden die besten Freunde. Mit ihm habe ich auch meinen ersten ?Figaro' gemacht, eine Rolle, die dann 20 Jahre lang mein Ein und Alles war. Ponnelle hat mich gelehrt, diesen Charakter zu leben. Dass ich heute nicht bloß einer bin, der nur auf der Bühne steht und singt, verdanke ich ihm."

Die richtigen Rollen zur richtigen Zeit, das sei sehr wichtig, aber eines, sagt Furlanetto, brauche man noch: "Glück. Und das hatte ich. Reichlich."

Ferruccio Furlanetto mit dem Concertgebouworchester Amsterdam unter Mariss Jansons (Bartók, Mussorgsky, Strawinsky). Heute, 20 Uhr, Großes Festspielhaus Salzburg. Karten: Tel. (0 66 2) 8045 500. www.salzburgfestival.

Wien-Auftritte: am 3. 9. zur Saisoneröffnung der Volksoper, ab 14. 9. an der Staatsoper in Verdis "Forza del destino".

LUDWIG HEINRICH

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