Salzburger Festspiele: Angst nach der Windstille
Die Dramatisierung von Stefan Zweigs Novelle "Angst" wurde bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt.

Foto © APA"Angst" von Stefan Zweig
Irene betrügt ihren Mann mit Eduard, einem jugendlichen Liebhaber. Einfach so. Sie habe sich "ihm hingegeben, ohne seiner zu bedürfen", sagt sie. Einfach so. Vielleicht wollte sie der "windstillen Existenz", in der sie an der Seite eines erfolgreichen Juristen lebt ein bisschen erotischen Sturm beimengen. Vielleicht. So genau weiß sie das nicht.
Doch da tritt ihr eine junge Frau in den Weg, behauptet die Freundin von Irenes Sugarboy zu sein und beginnt sie systematisch zu erpressen. Namenloses Entsetzen durchwuchert Irene. Angst, dass ihr Gemahl von ihrer Untreue erfahren könnte, dass sie "Eigentum und Geborgenheit" verlieren könnte. Sie bricht das Verhältnis zu Eduard radikal ab und gibt sich forthin der Angst vor dem, was kommen könnte hin. Bis die Geschichte gegen Schluss eine überraschende Wendung erfährt.
Stefan Zweig hat diesen Stoff 1913 als Novelle veröffentlicht. Dass sich diese Erzählform nicht ganz leicht dramatisieren lässt, wurde u. a. an Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" sichtbar, an der sogar der Meisterregisseur Stanley Kubrick mit seinem Film "Eyes Wide Shut" scheiterte.
In Salzburg sorgen Koen Tachelet (Text) und Jossi Wieler (Regie) für einen glanzvollen Gegenbeweis: Die Uraufführung von "Angst" am Landestheater geriet zu einem beispielgebenden Theaterabend, den später dann heftiger, lange anhaltender Applaus beschloss.
Tachelet montierte den Text in Erzähl- und Dialogform; beide gehen mühelos und sinnvoll ineinander über. Nestroy-Preisträger Jossi Wieler ("Rechnitz") inszeniert ebenso einfallsreich wie behutsam. Auf der minimalistischen Bühne von Anja Rabes lässt er der Fantasie des Publikums einigen Platz. Und ihm ist auch ein tiefer Respekt vor dem Text und vor den Schauspielern anzumerken.
Die nutzen ihre Chance, allen voran Elsie de Brauw, die als Irene alle Register ihrer Darstellungskunst zieht. Ihr gegenüber André Jung als gütig-autoritativer Ehemann, der seine Einsamkeit mit planvoller Demut erträgt. Hinreißend ist auch Katja Bürkle, die als Erpresserin und Dienstmädchen vorführt, welche Rolle der Körpersprache am Theater zukommt. Ein wunderbarer Abend.










