Die Gaudi von Buhlschaft und Jedermann
Vom Märchen für Erwachsene: Exakt einen Monat vor der Premiere stellte sich am Freitag das neue "Jedermann"-Traumpaar Birgit Minichmayr und Nicholas Ofczarek in Salzburg der Presse vor.

Foto © APNicholas Ofczarek, Birgit Minichmayr
Die Inszenierung von Christian Stückl lässt zu, dass sich die neuen Darsteller nicht an der Interpretation der Vorgänger messen müssen". So Thomas Oberender, Schauspielchef der Salzburger Festspiele, am Freitag bei der erstmaligen Präsentation des neuen "Jedermann"-Traumpaares in Salzburg.
Laut Oberender können Birgit Minichmayr und Nicholas Ofczarek "mit erfrischender Naivität und zutiefst eigenem Blick neue Wege finden - und sich doch der Tradition verpflichtet wissen".
Ofczarek sei ihm schon immer durch seine Härte und Intelligenz aufgefallen: "Er steht in der Tradition großer österreichischer Schauspielkunst und empfindet trotzdem modern, in einem energetischen neuen Stil. Und Minichmayr ist für Oberender "eine Extremistin in der Interpretation ihrer Rollen, eine Schauspielerin, bei der man manchmal vergisst, dass sie spielt. Sie bietet uns Punkte der Wahrheit, des Abenteuers, der Überraschungen, in einem Spiel ohne Netz."
Birgit Minichmayr ist die Buhlschaft Nummer 30, Nicholas Ofczarek der Jedermann Nummer 15. "Der Verschleiß an Frauen ist also etwas höher", untertreibt Oberender.
Rechenschaft
90 Jahre "Jedermann", und immer wieder gab es heiße Diskussionen: Was mag es sein, dass das Stück immer wieder fasziniert und etwa heuer schon jetzt dreifach überbucht ist? "Weil zutiefst grundlegende Themen unserer Existenz behandelt werden: leben, sterben, zur Rechenschaft gezogen werden", sagt Ofczarek, "und das im Reinhardt'schen Sinn immer mit (klopft dreimal auf Holz) guten Schauspielern". Er habe sich nicht erst durch diese Rolle mit diesen Themen beschäftigt. "Sich Rechenschaft ablegen zum Beispiel ist etwas, was man immer tun sollte."
Birgit Minichmayr hat "das Gefühl, dass es sich auch um ein Märchen für Erwachsene handelt. Und von Märchen kann man ja nie genug kriegen. Zudem, denke ich, gehört es für einen Österreicher dazu, einmal den "Jedermann" gesehen zu haben. So, wie man auch einmal in Schönbrunn gewesen sein muss."
Die emotionale Bedeutung des Stückes habe sie auch an der Reaktion ihres Vaters erkennen können: "Der hat mich schon während meiner Anfänge am Burgtheater gefragt: Na und, wann kommt die Buhlschaft?' Sie können sich vorstellen, wie ihm jetzt zumute ist. Irgendwie so, als ob er das Gefühl hätte: "Jetzt hat es meine Tochter geschafft!"
Über ihre "neue" Buhlschaft verrät die 33-jährige Linzerin: "Ich nehme prinzipiell keine Rolle an, um sie ganz neu zu interpretieren, so, wie sie noch niemand gesehen hat. Ich beginne jede Arbeit mit einem Stück weißem Papier. Ich will nicht neu sein, nur weil es neu sein soll. Wer weiß? Vielleicht bin ich ja am Ende die altmodischste Buhlschaft, die es je gab."
Wahrheiten
Der 1971 in Wien geborene Burgtheater-Star Ofczarek hat das Stück im Vorjahr zum ersten Mal live gesehen, "aber ich kenne auch die Aufführungen mit Gert Voss und Klaus Maria Brandauer. Selbst wenn ich wollte, ich könnte es gar nicht so spielen wie die anderen. Wichtig ist mir nur, in diesem Stück so viele Wahrheiten wie möglich zu entdecken."
Minichmayr wirft ein: "Und a Gaudi hamma auch."
Ofczarek: "Ja, wir haben wahnsinnig viel Spaß."
Minichmayr freut sich jedenfalls, "mit Nic vor der gigantischen Kulisse auf dem Domplatz spielen zu dürfen. Hoffentlich regnet's nicht oft. Und hoffentlich wird's auch nicht zu heiß, weil ich irrsinnig hitzeempfindlich bin. Dann wird man sehen, wie oft ich in Ohnmacht falle."
Features
Wissenswert
Erster Jedermann in Salzburg im Stück von Hugo von Hofmannsthal war Alexander Moissi (1920/21), letzter Peter Simonischek (2002 - 09). Erste Buhlschaft war Johanna Terwin (1920/21), letzte Sophie von Kessel (2008/09). Premiere in der Regie von Christian Stückl auf dem Domplatz am 25. Juli (ausverkauft). Restkarten: Tel. (0 662) 8045-500.
Zur Person
Birgit Minichmayr, geb. am 3. April 1977 in Linz. 1999 Debüt am Wiener Burgtheater. 2004, 2009 Nestroy-Preis als beste Schauspielerin.
Nicholas Ofczarek, geb. am 30. Mai 1971 in Wien. 1994 Engagement an das Burgtheater. 2005/2006 Nestroy-Preis als bester Schauspieler.










