Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
20. Mai 2013 02:50 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Premieren-Eklat bei den Wiener Festwochen Ironische Studie eines Herrschers Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Festspiele Nächster Artikel Premieren-Eklat bei den Wiener Festwochen Ironische Studie eines Herrschers
Zuletzt aktualisiert: 29.07.2009 um 10:27 UhrKommentare

Premiere von "Judith": Riten der Entmannung

Grandiose Bilder und literarisches Mittelmaß: Sebastian Nüblings "Judith"-Montage bescherte den Salzburger Festspielen eine zwiespältige Uraufführung.

Foto © APA

Das 25-köpfige Barockorchester schwelgt melancholisch in Antonio Vivaldis Oratorium "Juditha triumphans". Da treten vier Herren mit silbern schimmernden Saxophonen, in schwarzen Hosen und Muscleshirts in den dunklen Bühnenkubus; mit rüden Free-Jazz-Tiraden fegt das Quartett das barocke Flair aus der Luft. Das Orchester ist verstummt, triumphierend schwingen die Tonkrieger ihre Instrumente. Es könnten genau so gut Kalaschnikows sein.

Das ist nur eine von etlichen ungeheuer intensiven Szenen, die dem Regisseur Sebastian Nübling in seiner monumentalen Montage "Judith" gelingen, die als zweites Theaterereignis der Salzburger Festspiele auf der Pernerinsel Premiere hatte.

Eine schöne kühne Frau, Judith, schlägt einem ruchlosen Kriegsherren, Holofernes, den Kopf ab und rettet so die Stämme Israels vor dem Verderben. Ein Stoff, der Künstler in Bild, Sprache und Ton seit Jahrhunderten beschäftigt. Die Ent-Hauptung als ultimative Kastration, und das durch eine Frau, die noch dazu in kollektiver Notwehr handelt: Das kann man in unendlichen Varianten verhandeln, dessen moralische, menschenrechtliche und wohl auch erotische Aspekte sind schier unerschöpflich.

Achillesferse

Nübling stützt sich auf Friedrich Hebbels Bühnenstück und eben auf Vivaldi. Und auf neue Texte der Multi-Artistin Anne Tismer, die zur künstlerischen Achillesferse des rund dreistündigen Abends werden. Die Rolle der Judith ist mit der Mezzosopranistin Tajana Raj, der Schauspielerin Stephanie Schönfeld und Anne Tismer dreifach besetzt. Die Truppen des Holofernes, laut Text 13.000 Reiter und 120.000 Mann zu Fuß, werden von fünf Herren mit überzeugender Aggression dargestellt. Das eigens zusammengestellte Orchester agierte bei der Premiere noch etwas zaghaft, dass kann sich ändern. Die sängerischen Leistungen sind für diese Art von Theater sehr akzeptabel.

Doch just Co-Autorin Anne Tismer pfuscht mit einer völlig unpassenden Philippika über die ungerechte Verteilung des Wassers, der Rohstoffe, der Macht etc. pp. auf dummdreiste Art dazwischen. Nüblings ansonsten extrem stimmiges Konzept gerät immer wieder in Gefahr. Wo blieben da die Dramaturgen, die solchem Unfug vor der Premiere ein Ende hätten setzen müssen? Zudem gleitet auch Nübling selbst eine Massenszene gegen Schluss aus den Händen: Offenbar kann er sich nicht zwischen den Vorbildern Bob Wilson und Andreas Kriegenburg entscheiden.

Der wirkliche Star des Abends heißt Muriel Gerstner: Sie hat die Bühne gestaltet, einen düsteren Kubus, der durch seine beweglichen Wände und Guckfenster Szenen und Bilder ermöglicht, die allein schon den Besuch dieser Aufführung wert sind. Das Publikum sah es offenbar auch so: Speziell das Leading Team bekam bei dieser Uraufführung den kräftigsten Applaus.

FRIDO HÜTTER

Fotoserien

Salzburg tanzte am ersten Festspielball 

Salzburg tanzte am ersten Festspielball

 

KLEINE.tv

Obonya ist der neue "Jedermann"

Bei der Programm-Präsentation der Salzburger Festspiele 2013 wurde es of...Noch nicht bewertet

 


Bühnen-Kult: Buhlschaft & Jedermann

Foto: Reuters
 

Events & Tickets

Die besten Events in Kärnten und der Steiermark. Plus: Tickets für alle Veranstaltungen in ganz Österreich online bestellen.



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang