Reduktion und Langeweile bei "Theodora"
Über vier Stunden dauerte die mit zehn Minuten Schlussapplaus bedachte Premiere von Georg Friedrich Händels "Theodora" zum Auftakt der heurigen Salzburger Festspiele.

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Obwohl sie in einem Theater aus der Taufe gehoben wurde, bedarf die "Theodora" keiner Bühne. Da Händels vorletztes Oratorium aber eine durchgehende Handlung aufweist, haben sich schon namhafte Regisseure an ihm gemessen. Näherte sich David Freeman 1987 in Zürich dem Devotionalienkitsch, so stellte Herbert Wernicke 1994 in Basel mit einer Schlacht der Zeichen die selbstgerechte Tugendhaftigkeit der Titelheldin in Frage und Peter Sellars holte die im 4. Jahrhundert in Antiochia angesiedelte Märtyrer-Legende 1996 in Glyndebourne in die amerikanische Gegenwart.
In Salzburg respektiert Regisseur Christof Loy, dass es sich nicht um eine Oper handelt und verzichtet deshalb auf eine szenische Erzählform. Der zum dritten Mal zum "Regisseur des Jahres" gekürte Meister der Reduktion lässt die Sänger kein Rollenbild erfüllen, sondern erarbeitete mit ihnen eine "Spielweise, die mit dem Erproben von Musik und religiöser Thematik zu tun hat".
Musikalisches Dahinplätschern Vor einem riesigen Orgelprospekt (Bühne: Annette Kurz) gestaltet er eine Art Installation, die sich aus den Vorbereitungen zu einer konzertanten Aufführung, zu der alle in Abendkleidung (Kostüme: Ursula Renzenbrink) erscheinen, entwickelt. Quasi abstrakt und - außer einer kollektiven Vergewaltigungsvision - sehr sparsam, handelt er so die Themen geistige und körperliche Liebe, Gewalt und Gewaltlosigkeit, Lebensangst und Todessehnsucht, Glaubensfestigkeit und religiösen Fanatismus ab.
Dennoch stellt sich immer wieder Langeweile ein, weil der Diri gent die Musik nur dahinplätschern lässt. Ivor Bolton, der das einzige Duett der beiden Frauen streicht, aber ein von Händel bei der Uraufführung am 16. März 1750 als Pausenfüller gespieltes Orgelkonzert implantiert, das dem Regisseur Gestaltungsfreiraum bietet, nutzt das große Potenzial des Freiburger Barockorchesters kaum. Die Expressivität der vielen Moll-Arien in langsamen Tempi, die innere Dramatik und die äußere Theatralik sowie der Affektreichtum bleiben unterbelichtet.
Ausdruckskraft Auf der Bühne erreicht der Salzburger Bachchor vokal und szenisch Festspielniveau. Mit ihrem fast vibratolos geführten, klaren Sopran vermittelt Christine Schäfer die naive Unschuld der tugendhaften Theodora ebenso wie deren Mischung aus Lebensangst, Verklärung und Fanatismus. Als ihr Bewunderer und Retter Didymus, der freiwillig in den Tod geht, setzt der ausdrucksstarke Countertenor Bejun Mehta die vokalen Höhepunkte. Angesichts der schlichten Eindringlichkeit von Bernarda Finks Mezzosopran kann man nur bedauern, dass ihr zwei Arien der Irene gestrichen wurden.
Solide tönt der lyrische Tenor von Joseph Kaiser als Septimius, unterbesetzt ist der tyrannische Statthalter Valens mit Johannes Martin Kränzle.











