Katharina Wagner: "Mein Vater ist beruhigt"
Die künftige Leiterin des Bayreuther Opern-Festivals war von eindeutiger Zustimmung im Stiftungsrat überrascht. Der Vertrag wird "auf keinen Fall natürlich lebenslänglich".

Foto © APKatharina Wagner
Wolfgang Wagner ist seiner Tochter Katharina zufolge nach der Entscheidung über die künftige Festspielleitung in Bayreuth "beruhigt, dass das Ganze in seinem Sinne übergeben wird". Er könne sich jetzt "beruhigt in die Rente zurückziehen", sagte Katharina Wagner am Montagabend im Deutschlandradio Kultur. Die 30-jährige Urenkelin Richard Wagners war am Montag zusammen mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier (63) als Nachfolgerin ihres zurückgetretenen 89-jährigen Vaters vom Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele gewählt worden.
Neue Verträge. Die Verträge müssen noch ausgehandelt werden. Katharina Wagner
wollte am Dienstag bereits wieder in Bremen die Proben zu ihrer
Neuinszenierung zu Richard Wagners Frühwerk "Rienzi" aufnehmen, die
Premiere ist im Oktober geplant.
"Endlich ein Ende". "Ich bin froh und beruhigt, dass dieses Ringen auch für die
Mitarbeiter der Festspiele ein Ende hat", für die es eine "starke
Ungewissheit" gegeben habe, meinte Katharina Wagner. "Ich bin
dankbar, dass es endlich ein Ende hat, und zwar ein würdiges Ende
gefunden hat. Wir mussten durch viele Indiskretionen und viele
Anfeindungen durch, meine Schwester und ich. Letztlich hat sich der
gewisse Anstand, den wir in der ganzen Sache gehalten haben,
bewährt."
Überraschendes Ergebnis. Sie selbst sei von dem klaren Votum des Stiftungsrates, der sich
einstimmig mit 22 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen für die
Halbschwestern und damit gegen Nike Wagner und Gerard Mortier
entschieden hat, überrascht gewesen. "Damit haben wir nicht
gerechnet." Zu den bevorstehenden Vertragsverhandlungen meinte
Katharina Wagner, sie rechne mit einer Vertragsdauer "zwischen fünf
und sieben Jahren" und fügte hinzu: "Auf keinen Fall natürlich
lebenslänglich". Der inzwischen gesundheitlich angegriffene Wolfgang
Wagner hatte noch einen Vertrag auf Lebenszeit.
"Lernende in Bayreuth". Dazu meinte der Regisseur Hans-Jürgen Syberberg ("Winifred Wagner
- Die Geschichte des Hauses Wahnfried"), eine so begrenzte Zeitspanne
"für ein Programm in Bayreuth, das nun das Endziel eines Lebens von
Richard Wagner war", sei nicht günstig. In zehn Jahren sei Eva
Wagner-Pasquier über 73 Jahre alt, dann habe der Stiftungsrat nicht
mehr die Wahl, wenn die jüngere Katharina vielleicht bereits wieder
aufhöre, sagte Syberberg im Deutschlandradio Kultur. Vermutlich
bereue der Stiftungsrat angesichts solcher Äußerungen die Wahl
Katharina Wagners ja bereits wieder. "Katharina muss noch lernen, die
darf nicht die Leitung bekommen, die muss eingebaut werden als
Lernende, als Azubi (...), denn wie man sieht, sie ist zu jung."
"Tolle Arbeit". Der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper und Bayreuth-
Dirigent Daniel Barenboim äußerte sich erfreut über die Wahl der
beiden Halbschwestern. "Ich freue mich sehr für die zwei Schwestern
und bin sicher, dass sie die tolle Arbeit ihres Vaters fortsetzen und
die Wagner-Festspiele in eine neue Ära überführen werden. Hierfür
wünsche ich ihnen viel Glück!", sagte Barenboim am Dienstag der dpa.
Freude über Ergebnis. Auch die Mitarbeiter der Bayreuther Festspiele zeigten sich
erfreut über die Wahl und gratulierten den Schwestern dazu. Auf der
offiziellen Webseite der Festspiele heißt es ergänzend: "Erklärtes
Ziel der beiden Töchter Wolfgang Wagners ist es vor allem, die
Festspiele wieder zum weltweit führenden Theater der
Wagner-Interpretation zu machen. Der Dirigent Christian Thielemann
wird ihnen dabei als künstlerischer Berater in allen musikalischen
Fragen zur Seite stehen."










