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Zuletzt aktualisiert: 02.08.2008 um 07:24 UhrKommentare

"Otello"-Premiere: Die Weichheit des Kriegers

Triumph für Dirigent Riccardo Muti bei den Salzburger Festspielen.

Aleksandrs Antonenko als "Otello“ und Marina Poplavskaya als "Desdemona“

Foto © APAAleksandrs Antonenko als "Otello“ und Marina Poplavskaya als "Desdemona“

Bei der zweiten Opernpremiere der Salzburger Festspiele schlug das Pendel in die andere Richtung aus. Stand beim - mit Missfallenskundgebungen bedachten - "Don Giovanni" Claus Guths moderne Regie im Vordergrund, so kehrte bei Giuseppe Verdis "Otello" die Konvention zurück. Aber auch dafür erntete der Regisseur Stephen Langridge heftige Buhrufe. Sein Vorhaben, nicht nur das Eifersuchtsdrama zu zeigen, sondern auch das Außenseitertum der drei Protagonisten innerhalb der venezianischen Gesellschaft ging nur zum Teil auf.

Grandiose Interpretation. Uneingeschränktes Lob verdienten nur Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker, die mit einer grandiosen, die Extreme der Partitur auslotenden Interpretation faszinierten. Die beiden jungen Sänger der Hauptpartien besitzen großes Potential, lassen derzeit aber noch Wünsche offen. Marina Poplavskaya bringt für die Desdemona einen interessant timbrierten dunklen Sopran mit, dessen Höhe aber meist gefährdet wirkt. Aleksandrs Antonenko (33) erwies sich zwar, wie schon bei seinen Auftritten als Alfredo ("La Traviata"), Cavaradossi ("Tosca"), italienischer Sänger ("Rosenkavalier") und Titus in der Grazer Oper als ziemlich hölzerner Darsteller, er besitzt aber die perfekte Stimmfärbung für den Otello, für den ihm aber noch die nötige Kraft fehlt. Riccardo Muti lässt ihn demonstrieren, dass viele Teile der Partie Pianokultur verlangen und ungterstreicht damit die weichen Züge des nur scheinbar rauen Kriegers. Sehr routiniert sang Carlos Alvarez den Jago.

Premierengäste. Zu den Premierengästen gehörten Bundespräsident Heinz Fischer und sein italienischer Amtskollege Giorgio Napolitano, TV-Liebling Anja Kruse, Bianca Jagger, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Starpianist Rudolf Buchbinder, "Jedermann" Peter Simonischek, Opernlegende Christa Ludwig und die Diva Anna Netrebko, die mit ihrem Erwin Schrott allerdings erst nach dem ersten Akt eintrudelte.

TV-Ausstrahlung. Im Fernsehen wird diese Produktion am 10. August um 20.15 Uhr in 3sat und am 11. August um 22.25 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt.

Ernst Naredi-Rainer

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