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    Zuletzt aktualisiert: 25.07.2008 um 06:22 UhrKommentare

    "Karl V." in Bregenz: Die Lebensbeichte als Schulstunde

    Die Bregenzer Festspiele erinnern an die erste vollendete Zwölftonoper.

    Nicola Beller Carbone und Matthias Klink

    Foto © APNicola Beller Carbone und Matthias Klink

    Wertschätzung und Popularität klaffen weit auseinander. In der Fachwelt gibt es keine Zweifel darüber, dass Ernst Kreneks 1932/33 komponierter "Karl V.", die erste vollendete, abendfüllende Zwölftonoper, zu den großen Meisterwerken des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts zählt. Die Gräuelpropaganda, mit der schon 1934 die Uraufführung des Auftragswerks an der Wiener Staatsoper hintertrieben wurde, verfehlt allerdings bis heute ihre Wirkung nicht.

    Späte Premiere. "Karl V.", 1938 in Prag ohne den bereits ins amerikanische Exil geflüchteten Librettisten und Komponisten in Personalunion aus der Taufe gehoben, erlebte erst 1969 beim "steirischen herbst" in Graz seine späte szenische Österreichpremiere. Die Salzburger Festspiele begnügten sich mit einer (hochkarätig besetzten) konzertanten Aufführung im Sommer 1980 und an der Wiener Staatsoper musste erst der amerikanische Dirigent Lorin Maazel Direktor werden, um für den Oktober 1984 die erste Inszenierung im Haus am Ring anzusetzen, die auch nach seinem vorzeitigen Abgang nicht mehr zu verhindern war. Seit diesen sieben Aufführungen, deren letzte am 21. Juni 1985 auf dem Spielplan stand, war "Karl V." nirgendwo mehr zu sehen. Jetzt springen die Bregenzer Festspiele in die Bresche, deren britischer Intendant David Pountney dem heurigen Programm gleich einen Krenek-Schwerpunkt verordnet, in dessen Rahmen auch noch die sozialkritische Operette "Kehraus um St. Stephan" zu sehen sein wird.

    Die Szene - ein Klassenzimmer. Kreneks quasi filmisch konzipierte Dramaturgie, die Lebensbeichte des sterbenden Kaisers, der seine Utopie eines christlichen Weltreichs nicht zu realisieren vermochte, durch die Vergegenwärtigung von wesentlichen Szenen der Vergangenheit zu verlebendigen, ergänzt Regisseur Uwe Eric Laufenberg durch eine dritte Ebene. Im Bühnenbild von Gisbert Jäkel verlegt er das Geschehen - wie vor zehn Jahren Peter Konwitschny in Hamburg Richard Wagners "Lohengrin - in ein Klassenzimmer. Karl V. tritt nicht nur als sterbender Monarch und als historische Figur in seinen Erinnerungen auf, sondern zunächst als Lehrer, weil Laufenberg das Libretto als "volkshochschulhaft" empfindet. Seine Idee, das historische Drama als Unterrichtsstunde mit Rollenspiel einzufädeln, hat zwar einiges für sich, wirkt aber letztlich als Verlegenheitslösung, der manche Banalität anhaftet. Immerhin lässt er keine Zweifel darüber aufkommen, dass Krenek in dieser Oper vor dem Nationalsozialismus gewarnt hat.

    Die Titelrollen. Die in jeder Hinsicht höchst anspruchsvolle Titelrolle meistert Dietrich Henschel achtbar. Seine lyrische Stimme ermüdet aber in der Heldenbaritonrolle und vermag den extremen Ambitus, zumal in der Höhe, nur mit gequälten Kraftakten zu bewältigen. Neben ihm machen Nicola Beller-Carbone, die Marie der im Juni gezeigten "Wozzeck"-Produktion der Grazer Oper, als Karls Schwester Eleonore, Matthias Klink als Frankreichs leichtfertiger König Franz I. und Johannes Mayer als kraftvoller Luther gute Figur.

    Dramatische Kraft. Getragen wird die Aufführung des etwas gekürzten Werks von den Wiener Symphonikern, die unter Lothar Koenigs die dramatische Kraft und den Farbenreichtum dieser keineswegs kopflastigen Partitur eindrucksvoll entfalten.

    ERNST NAREDI-RAINER

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