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Zuletzt aktualisiert: 13.11.2009 um 21:28 UhrKommentare

Traum und Wirklichkeit

Erstmals seit der 1967 in der Grazer Oper erfolgten Österreichpremiere ist Hans Werner Henzes "Prinz von Homburg" hierzulande wieder zu sehen.

Die Grazer Oper

Foto © APADie Grazer Oper

Ein nahezu kahler, hölzerner Bunker dient als (akustisch vorteilhaftes) Einheitsbühnenbild für alle zehn Szenen der Oper "Der Prinz von Homburg". Regisseur Christof Loy und sein Bühnenbildner Dirk Becker verstärken mit diesem auch für die starre, einengende gesellschaftliche Ordnung stehenden Gefängnis noch jene Tendenz, die der Komponist Hans Werner Henze und seine Librettistin Ingeborg Bachmann bei ihrer Umwandlung des letzten Dramas Heinrich von Kleists zu einer Oper verfolgt haben. Ihnen ging es in ihrem 1960 in Hamburg aus der Taufe gehobenen Werk darum, das von den Nazis als Parabel von Ehre und Soldatenpflicht missbrauchte Stück vom militärischen Kontext zu lösen und den Konflikt zwischen dem Gesetz und der Empfindung in den Mittelpunkt zu stellen. Um dessen Zeitlosigkeit zu unterstreichen, hüllt Herbert Murauer die Akteure im ersten Akt in historische und dann in moderne Kostüme.

Kein Happy End

Loy erweist sich einmal mehr als Meister der Reduktion, der im letzten Bild sogar die dramaturgisch wichtige Augenbinde für den vermeintlichen Delinquenten weglässt. Er inszeniert den Grundkonflikt zwischen Freiheit und Ordnung mit konzentrierter Aussagekraft, balanciert geschickt zwischen Traum und Wirklichkeit und glaubt nicht an das Happy End.

In Marc Albrecht, der die verschlankte revidierte Fassung von 1991 dirigiert, findet Loy einen kongenialen Partner. Albrecht unterstreicht, wie Henze den Grundkonflikt mit serieller Technik und Dodekaphonie auf der einen und freier, kantabler Tonalität auf der anderen musikalisch umsetzt. Die Wiener Symphoniker musizieren unter seiner Leitung mit Spannung, Intensität und Schärfe. Der Dirigent kostet Henzes satirischen Umgang mit Märschen genüsslich aus, findet aber auch zu lyrischer Feinzeichnung in den subtilen Schwebeklängen der Traumszenen.

Als Idealbesetzung des Titelhelden bleibt Christian Gerhaher auf der Bühne eine Klasse für sich. Mühelos meistert der Bariton die hohe Lage, empfindsam verstrickt er sich in Träumereien, kraftvoll und schneidig verströmt er inneres Feuer.

Neben ihm bewähren sich Britta Stallmeister als entschlossene Natalie und Johannes Chum als loyaler Graf Hohenzollern. Mit gequältem Heldentenor stattet John Uhlenhopp den Kurfürsten aus, dessen Gattin durch Helene Schneidermann verblasst.

ERNST NAREDI-RAINER

ZUR PERSON

Per Olov Enquist, geboren am 23. September 1934 in Hjoggböle, Nordschweden.

Studierte Literaturwissenschaft, war einst auch Hochspringer (Rekordmarke: 1,97)

Werke: "Der Besuch des Leibarztes", "Gestürzte Engel"

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