Sommerliche "Klausur-Atmosphäre" am Wörthersee
Zum 36. Mal gehen heuer die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt über die Bühne, zum zweiten Mal findet die renommierte Veranstaltung nicht Ende Juni, sondern Anfang Juli statt.

Foto © APADie Preisträger des Ingeborg Bachmann-Preis 2011
"Klagenfurt gehört schon fast zum Sommerurlaub", sagt die österreichische Jurorin Daniela Strigl. Sie ist heuer bereits zum achten Mal Mitglied der Jury. "Der Bachmann-Preis hat weiterhin einen sehr hohen Stellenwert, vor allem in Deutschland und der Schweiz. Dessen sind wir uns vielleicht gar nicht bewusst." Die Eröffnungsrede hält am 4. Juli Ruth Klüger. Gelesen und diskutiert wird von 5. bis 7. Juli, der Bachmann-Preis sowie die weiteren Auszeichnungen werden am 8. Juli vergeben. Unter den 14 antretenden Autorinnen und Autoren befinden sich heuer vier aus Österreich.
An den Tagen der deutschsprachigen Literatur schätzt Strigl die "intensive Klausur-Atmosphäre": "Man kommt einander nicht aus." Wobei speziell für die Jury keineswegs sommerliches Abhängen angesagt ist. Nicht nur die Befassung mit den rund 250 Einsendungen, die jedem Juror im Vorfeld durchschnittlich zugehen (ehe man die verpflichtende Empfehlung eines Verlags oder einer Literaturzeitschrift eingeführt hat, waren es sogar an die 400), kostet viel Zeit und Energie. Auch die Lese- und Diskussionstage selbst seien äußerst anstrengend, versichert die Staatspreisträgerin für Literaturkritik im Gespräch mit der APA: "Im Gegensatz zu den Autoren sitzen wir dort ja die ganze Zeit und müssen sehr viel reden. Aber für mich ist das eine produktive Anspannung."
Da jeder Juror zwei Teilnehmer ins Rennen schickt (Strigl hat heuer Leopold Federmaier und Sabine Hassinger nominiert), gebe es durchaus eine besondere Situation beim Antreten des eigenen Schützlings, gibt Daniela Strigl zu: "Man fühlt natürlich mit. Bei den meisten Autorinnen und Autoren ahnt man schon die Gegenargumente und wappnet sich im Voraus. Aber manchmal wird man auch völlig überrascht. Wenn alle anderen sagen: 'Blödsinn!', dann tut das schon weh." Sie selbst empfinde die unmittelbare Öffentlichkeit ihrer Kritik nicht als Belastung: "Prüfungsangst habe ich nicht. Mir macht es Vergnügen."
Und schließlich bekomme man "gewisse Trends, gewisse Moden" der zeitgenössischen Literatur in Klagenfurt gut mit. "Ich würde aber nicht sagen, dass es repräsentativ ist. Was eher wegfällt, sind experimentelle Texte." Aus Österreich gehen heuer Isabella Feimer, Cornelia Travnicek, Hugo Ramnek und Leopold Federmair an den Start. Weiters mit dabei: der in Zürich lebende schweizerisch-australische Doppelstaatsbürger Simon Froehling, die Deutschen Sabine Hassinger, Lisa Kränzler, Inger-Maria Mahlke, Mirjam Richner, Matthias Senkel und Andreas Stichmann, die in Leningrad aufgewachsene, in Frankfurt/Main lebende und auf Russisch und Deutsch schreibende Olga Martynova, der seit 2002 im finnischen Espoo lebende Mainzer Stefan Moster sowie der im polnischen Opole geborene und in Bamberg und Biel lebende Matthias Nawrat.
Neben den wieder mit 25.000 Euro dotierten Bachmann-Preis, den im Vorjahr die Kärntner Slowenin Maja Haderlap gewann, gibt es auch heuer wieder den mit 10.000 Euro dotierten kelag-Preis, den 3sat-Preis (7500 Euro), den Ernst Willner-Preis (5000 Euro) sowie den heuer von der BKS Bank gestifteten Publikumspreis in der Höhe von 7000 Euro.


















