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Zuletzt aktualisiert: 14.06.2012 um 12:14 UhrKommentare

Isabella Feimer: "Jetzt will ich's wissen!"

Die niederösterreichische Theaterfrau entdeckte erst vor wenigen Jahren die Lust am Schreiben und hat bereits zwei Romane fertig. Feimer: "Es wird sehr stressig und sehr ungewohnt."

Isabella Feimer

Foto © APAIsabella Feimer

Wer in der Literaturbranche den Namen Isabella Feimer noch nicht gehört hat, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Die am 5. April 1976 in Mödling geborene und in Wien lebende Schwechaterin war bisher vor allem in der Theaterszene aktiv. Erst als sie vor ein paar Jahren für eine Inszenierung von "Alice im Wunderland" einen Monolog zu schreiben hatte, entdeckte sie, welch' großen Spaß ihr das Schreiben macht. Die seither konsequent betriebene Autorinnen-Karriere führt Feimer Anfang Juli zum Bachmann-Preis nach Klagenfurt. "Ich glaube, dass es bei mir sehr schnell gegangen ist", gibt sie zu.

Professionelles Rüstzeug holte sich die ehemalige Studentin der Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien, die nicht nur Stücke inszeniert und Theatervereine gegründet, sondern auch Ko-Regie bei einem Dokumentarfilm ("Leben im Krieg") geführt hat, 2008 an der Leondinger Akademie für Literatur. "Ich glaube schon, dass Handwerk zum Schreiben dazugehört", sagt Feimer im Gespräch mit der APA. "Jedes Wort zu viel ist hinterfragt worden", erinnert sie sich gerne an die Zeit von Hausübungen, Schreibaufgaben und permanentem Feedback. "Da zeigt sich: Will man es wirklich oder nicht? Da ist die Entscheidung gefallen: Das will ich mehr als alles andere."

Dass sie weiterhin versuchen wird, Theater und Literatur zumindest gelegentlich miteinander zu verbinden, zeigt sich bei ihrem Roman "Pornoladen", von dem sie Auszüge als szenische Lesung zuletzt zu Beginn der Woche im Wiener Tanzcafe Jenseits präsentierte. "Darin geht es um eine junge Frau, die aus finanzieller Not in einem Sexshop arbeiten muss", sagt Feimer, und überrascht mit einem trockenen Nachsatz: "Es ist eine autobiografische Geschichte." Nachdem sie in Buchhandlungen nicht als Verkäuferin genommen worden war, habe sie allen Mut zusammengenommen und sich in einem Sexshop beworben. "Das war schwierig - die Begegnungen mit Kunden, die Übersexualisierung, die einen komplett abstumpft. Damals hat mich das Schreiben aus dem Alltag gerettet."

Das Romanmanuskript liegt ebenso wie der Text eines zweiten Romans, "Der afghanische Koch" ("Eine politische Geschichte zwischen den Kulturen, die ebenfalls auf einer wahren Begebenheit beruht."), bei Isabella Feimers Agentur. Braucht man das heutzutage? "Ich glaube, von Agenturen versandte Manuskripte sind für Verlage interessanter, weil sie schon eine Qualitätsprüfung hinter sich haben." An dem Coup, als Newcomerin mit bloß einer Handvoll Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften zum renommierten Klagenfurter Wettlesen eingeladen zu werden, ist allerdings nicht die Agentur schuld. Die Autorin sandte höchstpersönlich Bewerbungen und Textproben an Juroren. "Ich hab's einfach ins Blaue geschickt." Die Schweizer Germanistin Corina Caduff, als Jurorin selbst in Klagenfurt neu, biss schließlich an.

Die Lesung soll ganz untheatralisch werden. "Ich glaube, ich lass' die Theaterfrau zu Hause. Es wird sehr stressig und sehr ungewohnt", ist sich Feimer sicher. "Aber ich weiß schon, worauf ich mich einlasse." Schließlich war sie im vergangenen Jahr zuschauen. "Am Heimweg war irgendwas in mir, das gesagt hat: Isabella, im nächsten Jahr bist Du da!" Die unmittelbare Kritik sei sie aus dem Theater gewohnt. "Auch dort habe ich manchmal Kritiken bekommen, die nicht schön waren. Aber letztlich habe ich immer etwas daraus gelernt." Als Autorin habe sie allerdings "nicht mehr ewig Zeit. Man wird so schnell zu alt - auch im Literaturbetrieb. Daher gilt: Jetzt will ich's wissen!"

Quelle: APA

Autoren 2012

Leopold Federmair, Hiroshima (Japan) Isabella Feimer, Wien (Österreich) Simon Froehling, Zürich (Schweiz) Sabine Hassinger, Berlin (Deutschland) Lisa Kränzler, Freiburg (Deutschland) Inger-Maria Mahlke, Berlin (Deutschland) Olga Martynova, Frankfurt/Main (Deutschland) Stefan Moster, Espoo (Finnland) Matthias Nawrat, Bamberg/Biel (Deutschland/Schweiz) Hugo Ramnek, Zürich (Österreich/Schweiz) Mirjam Richner, Unterentfelden (Schweiz) Matthias Senkel, Leipzig (Deutschland) Andreas Stichmann, Hamburg (Deutschland) Cornelia Travnicek, Traismauer (Österreich)

 

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