Vom Bimbam der Worte
Einblicke, Durchblicke, Ausblicke: Von 4. bis 8. Juli geht das 36. Wettlesen um den Bachmann-Preis über die Bühne des ORF-Theaters. Mit dabei: der gebürtige Kärntner Hugo Ramnek.

Foto © KautzEntwurf für das diesjährige Bühnenbild: Hanno Kautz gestaltet für das ORF-Theater "Fenster" und gewährt "Einblicke, Durchblicke, Ausblicke"
Ein Vierteljahrhundert lang lieferte H. P. Maya mit seinen Bühnenbildern eindrucksvolle Kulissen für den Bachmann-Preis. Nach seinem Tod öffnen sich im Klagenfurter ORF-Theater neue "Fenster". Unter dieses Motto stellt Hanno Kautz seine erste Literatur-Bühne. Der 1970 in Klagenfurt geborene Architekt und Künstler will damit für Autoren, Juroren und Publikum "Perspektiven und Freiräume" schaffen.
Einblicke, Durchblicke, Ausblicke: Zwischen 4. und 8. Juli steht Klagenfurt wieder ganz im Zeichen der Literatur. Vierzehn Autoren lesen um den mit 25.000 Euro dotieren Bachmann-Preis, darunter Hugo Ramnek (52). Der in Zürich lebende Bleiburger hat mit "Der letzte Badegast" (Wieser-Verlag) im Jahr 2010 seinen ersten Roman vorgelegt und freut sich "auf ein Abenteuer": "Ich fühle mich ein bisschen wie ein Reh, das aus dem Wald auf eine Wiese kommt und sich über das viele grüne Gras freut - aber im Hintergrund könnten auch die Jäger lauern", so der Deutschlehrer und Theaterpädagoge.
Erstmals findet sich im Teilnehmerfeld ein frischgebackener Staatspreisträger: Der Oberösterreicher Leopold Federmair wird am 1. Juli mit dem mit 8000 Euro dotierten "Translatio 2012" für seine Übersetzungen aus dem Französischen, Spanischen und Italienischen ausgezeichnet. Nur wenige Tage später stellt sich der in Hiroshima lebende 54-Jährige mit einem eigenen Text der Jury.
Die steht heuer wieder unter dem Vorsitz von Burkhard Spinnen, neu hinzu kommt die Schweizer Literaturkritikerin Corina Caduff, die Alain Claude Sulzer ersetzen wird.
Hommage
Für die Klagenfurter Rede, mit der traditionell das Wettlesen eröffnet wird, wird sich wie berichtet Ruth Klüger Gedanken über Bachmann machen. Die Holocaust-Überlebende und große Kämpferin gegen das Vergessen kündigt eine Rede mit dem Titel "Der haltbare Satz im Bimbam der Worte: Ingeborg Bachmanns Wahrheit und Dichtung" an.
Auch das umfangreiche Rahmenprogramm bezieht sich naturgemäß immer wieder auf die "Schutzheilige der Literaturtage": So zeigt etwa Gert Pallier im Kelag-Café Antworten auf Bachmann-Gedichte und Tex Rubinowitz lädt zum "Bachmann Song Contest" in den Lendhafen. Dort gibt es wieder ein Public Viewing, via 3sat ist man live mit dabei. Neu ist die Zusammenarbeit mit "Snippy": Die App stellt alle Texte und Lesungen für das Smartphone bereit.
Neu sind auch zwei Sponsoren: Die BKS-Bank und die Uniqa unterstützen erstmals das Wettlesen, die Kelag ist zum zehnten Mal mit dabei. Trotzdem muss das international erfolgreiche Projekt "Bachmann goes Europe" aus finanziellen Gründen ausgesetzt werden. Aber, so Neo-Hausherrin Karin Bernhard: "Ich hoffe sehr, dass wir die Finanzierung dafür im nächsten Jahr schaffen."
Features
Foto

Steuert das Bühnenbild bei: Hanno Kautz Foto © KLZ/Weichselbraun
Tage der deutschsprachigen Literatur
Eröffnung. 4. Juli, 20.30 Uhr mit der "Klagenfurter Rede zur Literatur" (gehalten von Ruth Klüger)
Lesungen. 5. bis 7. Juli
Preisverleihung. 8. Juli, 11 Uhr
Autoren. Leopold Federmair (A), Isabella Feimer (A), Simon Froehling (CH), Sabine Hassinger (D), Lisa Kränzler (D), Inger-Maria Mahlke (D), Olga Martynova (D), Stefan Moster (D/FIN), Matthias Nawrat (D/CH), Hugo Ramnek (A/CH), Mirjam Richner (D), Matthias Senkel (D), Andreas Stichmann (D), Cornelia Travnicek (A)
Juroren. Burkhard Spinnen, Corina Caduff, Meike Feßmann, Paul Jandl, Hildegard Elisabeth Keller, Daniela Strigl, Hubert Winkles
Moderation. Clarissa Stadler
3sat überträgt live
Link. http://bachmannpreis.eu













