Bachmann-Preis für Maja Haderlap
Viele hatten die 50-jährige Kärntner Slowenin als Favoritin für den 35. Ingeborg-Bachmann-Preis gehandelt. Und tatsächlich gelang es Maja Haderlap, die Jury mit ihrem eindringlichen, von ihrer Lyrik geprägten Romanauszug zu überzeugen.

Foto © WeichselbraunDie glückliche Preisträgerin Maja Haderlap mit dem Vorjahrssieger Peter Wawerzinek
Im Jahr 1977, beim allerersten Wettlesen am Wörthersee, gewann Gert Jonke den Bachmann-Preis. 34 Jahre sollte es dauern, bis der nach Kärntens großer Dichterin benannte Literaturpreis wieder im Lande blieb. Am Sonntag wurde die Klagenfurterin Maja Haderlap für einen Auszug aus ihrem Roman "Engel des Vergessens" (ab heute im Buchhandel) mit dem mit 25.000 Euro dotierten Bachmann-Preis ausgezeichnet (weitere Preisträger siehe rechts). Und das für einen unaufgeregten, aber ungeheuer dichten Text über eine Kindheit in Südkärnten. Ausgerechnet in jener Woche, in der das Parlament nach einem halben Jahrhundert die Ortstafeleinigung beschloss, gewann eine Kärntner Slowenin mit einem Text über Kärntner Slowenen und die Wunden, die der Zweite Weltkrieg der Minderheit geschlagen hat. Kein Wunder also, dass im Klagenfurter ORF-Theater großer Jubel aufbrandete, als die Siegerin feststand.
Aufarbeitung
Geboren wurde Maja Haderlap im Jahr 1961 in der Südkärntner Gemeinde Bad Eisenkappel/elezna Kapla. Bis zu ihrem Schuleintritt sprach sie Slowenisch, erst in der Schule lernte sie richtig Deutsch. Später studierte sie Theaterwissenschaften und Deutsche Philologie. Unter Dietmar Pflegerl war sie Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt, danach widmete sie sich ganz dem Schreiben, denn die Geschichten, die sie so lange mit sich herumgetragen hatte, "drängten an die Oberfläche", so Haderlap. Dreieinhalb Jahre arbeitete die 50-Jährige an ihrem Roman, den sie in deutscher Sprache verfasste, weil ihr das die Möglichkeit gab, sich dem schwierigen Thema "mit einer gewissen Distanz zu nähern" (ein Interview mit der Autorin lesen Sie auf Seite 41). Von den Lesern erhofft sich Haderlap nun, dass "sie ein Stück weit mit mir mitgehen". Große Diskussionen rund um das Thema erwarte sie nicht, aber vielleicht "wird im Innersten der Leser etwas in Gang gesetzt. Und vielleicht werden die Geschichten der Familien in Zukunft nicht mehr politisch instrumentalisiert."
Großes Lob für den Roman gab es übrigens vorweg von Peter Handke, der attestierte: "Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben." Handke selbst hat die Geschichte der Kärntner Partisanen bekanntlich in seinem Stück "Immer noch Sturm" thematisiert, das am 12. August bei den "Salzburger Festspielen" uraufgeführt wird. - Literatur von gesellschaftlicher und politischer Relevanz.
Features
TV, Radio, Internet
les.art. Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap ist heute Abend Gast bei Christian Ankowitsch in der "les.art" (23 Uhr, ORF 2).
Ö1 berichtet heute zwischen 21.40 und 22 Uhr unter dem Motto "Texte - Neue Literatur aus Österreich" über den Bachmann-Preis und seine Siegerin.
Im Internet können alle Texte in acht Sprachen nachgelesen werden. Außerdem gibt es Infos, Videoporträts und Auszüge aus den Jurydiskussionen unter
bachmannpreis.eu

















