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    Zuletzt aktualisiert: 08.07.2011 um 16:22 UhrKommentare

    Sehr viel Lob für Nina Bußmanns "Große Ferien"

    Mit dem Text "Große Ferien" von Nina Bußmann ist am Donnerstag im Klagenfurter ORF-Theater der Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis fortgesetzt worden. Den Abschluss machte Thomas Popp.

    Foto © Weichselbraun

    Bußmann erzählt die Geschichte eines alternden Lehrers, der nach Jahrzehnten des Unterrichtens nun mit seiner Freizeit nichts anzufangen weiß. Erst allmählich schält sich heraus, dass der Protagonist nicht ganz freiwillig die Schule verlassen hat.

    Er hatte die Hand gegen einen Schüler erhoben, mit dem er zuvor über längere Zeit ein ungewöhnliches Naheverhältnis gepflegt hatte, allerdings war dies vom Schüler ausgegangen. Was es mit diesem Naheverhältnis auf sich hatte, bleibt allerdings verborgen, ebenso ob er nun tatsächlich Gewalt gegen den Jugendlichen ausgeübt hatte.

    Meike Feßmann bezeichnete den Text als "sehr genau gearbeitet". Hubert Winkels zeigte sich angetan, vor allem, weil man konsequent im Unklaren gelassen werde. Alain Claude Sulzer hatte "ein paar Probleme mit dem Text". Burkhard Spinnen sah "eine Reihe von Klischees", was auch am Ambiente der Schule liege. Der Text verfalle aber nicht in das Ausmalen von Klischees. Es gehe um die Frage, ob nicht etwas geschehen könnte, was eine sehr zeitgenössische Problematik sei. Für Daniela Strigl zeigt die Geschichte "sehr schön, wie das Opfer zum Täter wird", die Ansammlung von Klischees berge aber auch Gefahren. Großes Lob kam naturgemäß von Paul Jandl, der Bußmann vorgeschlagen hatte.

    Steffen Popp führte abschließend mit "Spur einer Dorfgeschichte" in ein Dorf in Ostdeutschland, eine Gruppe von Menschen macht in gewisser Weise eine Bestandsaufnahme der Ortschaft. Es gibt Bezüge auf DDR-Produkte, Exkurse in das moderne Management-Deutsch, der Text ist in einer Reihe von Momentaufnahmen montiert, die teilweise schwer zueinander in Bezug zu setzen sind.

    Winkels sah ein "Halbfertigprodukt", das sich als vollständig präsentiert, "und das ist nicht fertig". Der Text bleibe absichtsvoll unfertig. Sulzer meinte, seine Befürchtungen beim Lesen hätten sich beim Vortrag bestätigt, allerdings werde oft "Erhabenheit nur simuliert". Hildegard Keller stellte "einen ganz großen Eigensinn" im Text fest, aber: "Mir sagt der Text nirgends, was ihn trägt." Feßmann, die Popp vorgeschlagen hat, zeigte sich empört über die Bezeichnung "Halbfertigprodukt" für einen derart dichten Text mit "unglaublich poetischen Bildern". Spinnen stimmte zu und meinte, der Text könne weitergehen und weitergehen, wenn da nicht die Frage wäre: "Wohin?" Jandl fand, beim öfteren Lesen hätten sich immer wieder neue Dinge erschlossen. Strigl war froh über einen "anderen Ton", der hier Platz gefunden habe.


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