Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 23. Oktober 2014 05:14 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Strigl zieht sich aus Bachmann-Preis-Jury zurück Birgit Pölzl: "Das Schreiben ruft mich einfach" Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Bachmann-Preis Nächster Artikel Strigl zieht sich aus Bachmann-Preis-Jury zurück Birgit Pölzl: "Das Schreiben ruft mich einfach"
    Zuletzt aktualisiert: 27.06.2011 um 11:58 UhrKommentare

    Daniel Wisser: "Für jeden Text eine eigene Form"

    Literarisch sucht Daniel Wisser immer nach neuen Formen und neuem Stil, musikalisch bewegt sich der 1971 in Kärnten geborene und in Wien lebende Autor, Verleger und Musiker mit dem Ersten Wiener Heimorgelorchester zwischen elektronischem Pop und sprachlicher Finesse.

    Foto © APA

    Mit der Liebe zu Sprache und Rhythmus hat es wohl auch zu tun, dass Bachmann-Preis-Juror Paul Jandl seinen Text, angelehnt an den im September erscheinenden Roman "Standby", für das diesjährige Wettlesen ausgewählt hat. Wisser, seines Zeichens auch Stummfilmliebhaber und Experte für indisches und japanisches Kino, sprach mit der APA über seine Wurzeln, seine Einflüsse und seine Erwartungen an Klagenfurt.

    APA: Sie werden als einer der beiden Lokalmatadoren beim diesjährigen Wettlesen geführt, dabei leben und arbeiten Sie in Wien. Wie dürfen wir Sie denn biografisch verorten?

    WISSER: Ich bin in Klagenfurt geboren, war aber nur wenige Monate dort und habe keine Erinnerung daran. Ich bin dann im Burgenland aufgewachsen und jetzt schon mehr als 20 Jahre in Wien. Aber das passt schon, oder? Als Jens Petersen den Bachmannpreis gewonnen hat, schrieb die "Neue Zürcher Zeitung" vom Schweizer Jens Petersen und die "Süddeutsche" vom Deutschen...

    APA: Sie haben ein bisschen recherchiert?

    WISSER: Ich habe mir das vor zwei Jahren vor Ort angeschaut im ORF-Studio Klagenfurt. Dass ich heuer selbst dabei bin, liegt eigentlich nur an meinem Verleger Ralph Klever, der das betrieben hat. So etwas kommt meistens ja dann doch eher unerwartet als erwartet.

    APA: Sie kommen ursprünglich aus der Sprachwissenschaft...

    WISSER: Ja, ich habe Germanistik in Wien studiert und in Sprachwissenschaft diplomiert. Aber eigentlich schreibe ich immer schon, hauptsächlich Lyrik, seit fünf Jahren aber auch Prosa. Und bei Lyrik wechselt es zwischen Geschriebenem und Texten für Songs, sowohl für das Heimorgelorchester als auch für Liederabende, wo zum Klavier gesungen wird.

    APA: Das heißt, es hat immer mit Rhythmus zu tun, wenn Sie sich mit Sprache beschäftigen?

    WISSER: Absolut. Und ich versuche für jeden Text eine eigene Form zu finden. Drum gibt's noch nicht viel, ich brauche wahnsinnig lang, um Sachen zu schreiben, für ein Buch etwa drei bis fünf Jahre. Mein nächstes Buch wird daher auch ganz anders werden als das vergangene, weil ich eine eigene Sprache und eine eigene Form finden will. Das ist mir ganz wichtig.

    APA: In der Verlagsvorschau heißt es, dass beim Bachmann-Preis ein Auszug aus dem neuen Roman "Standby" zu hören sein wird.

    WISSER: "Standby" erscheint im September bei Klever. Der Text für Klagenfurt hat mit dem Buch zu tun, ist aber kein Ausschnitt daraus. Und er ist auch so konzipiert, um ein Ausschnitt in der Bachmann-tauglichen Länge zu sein. Er soll als dieser Kurzprosatext beurteilt werden, der er ist, und nicht als Ausschnitt aus dem Roman.

    APA: Wie sind denn die Erwartungen an das Wettlesen?

    WISSER: Wenn man jemanden, der kein Insider ist, nach den fünf letzten Preisträgern fragt, ist ein Richtiger schon in der Avantgarde. (lacht) Ich schwanke immer dazwischen, ob es wichtig wäre, von den Preisen her gut abzuschneiden oder vom Publikum. Das einzige, was man dort machen kann, ist, einen Text gut zu präsentieren. Ich konzentriere mich auf das, der Rest passiert eh von selber. Die Medienaufmerksamkeit vor Ort ist zwar groß, aber man muss auch feststellen, dass das ein, zwei Monate später auch wieder deutlich abebbt.

    APA: Wie gehen Sie mit dem Rampenlicht um?

    WISSER: Wir haben auch mit dem Heimorgelorchester in einer Burgtheaterproduktion gespielt, die mehr als 50 Mal aufgeführt worden ist (Anm.: Handkes "Untertagblues" im Akademietheater). Meine Erfahrung mit solchen Auftritten ist, dass es immer sehr gut ist, sich alle möglichen Situationen vorzustellen. Das hilft dann meistens. Ich glaube, es kommt aber immer auch auf die Tagesverfassung an, auf die Uhrzeit. Die Stimme ist am Vormittag sicher besser.

    APA: Fühlen Sie sich literarisch einer Szene zugehörig? Gibt es spezielle Einflüsse?

    WISSER: Am besten ist, man gehört zu keiner Szene dazu. Nein, am besten ist, die Leute glauben, man gehört zu keiner Szene dazu. (lacht) In der deutschsprachigen Literatur hat sich in den vergangenen zehn Jahren der Einfluss der amerikanischen Unterhaltungsliteratur sehr stark bemerkbar gemacht. Ich finde, dass das auch bei österreichischen Autoren wie Glavinic, Geiger, Kehlmann schon sehr evident ist. Das ist überhaupt nicht mein Weg. Ich versuche, in der deutschen Sprache meine eigene Form, meinen eigenen Stil zu finden und orientiere mich zunächst mal an gar nichts - was eh nicht möglich ist...

    APA: Gab es einen Bezug zu Bachmann selbst?

    WISSER: Ich habe vor allem in meiner Jugend und dann in meiner Studienzeit viel von ihr gelesen und mich mit ihrem Hörspielwerk stark beschäftigt. Für mich ist eigentlich ihr dialogisches Werk interessanter als ihr Prosawerk.

    APA: Ein paar Tipps zum Abschluss - was darf auf keinem Nachtisch fehlen bzw. in keinem CD- oder DVD-Player?

    WISSER: Für mich vier ganz wichtige Bücher sind "Der Schatten des Körpers des Kutschers" von Peter Weiss, "Die Gefährlichkeit der großen Ebene" von Ror Wolf, "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" von Peter Handke und "Meteoriten" von Andreas Okopenko. Bei der Musik fällt mir im Moment eine ganz tolle Band aus Island ein, die mit sehr alten und primitiven Keyboards spielt, die heißt "Apparat Organ Quartet". Und beim Film verehre ich das Werk des Japaners Yasujiro Ozu, quasi das Gegenteil von Akira Kurosawa, sehr zurückgenommen, fast alles spielt innen. Der hat nach dem Krieg wahnsinnig tolle Filme über Gesellschafts- und Familiensituationen gemacht, ein großer Regisseur.


    Mehr Bachmann-Preis

    Mehr aus dem Web

      Familienkulturtag

      UMJ

      Mit Workshops, Familienführungen, einer Kreativwerkstatt und vielem mehr hält das Universalmuseum Joanneum in allen seinen Häusern am 20. September den Kleine Zeitung-Familienkulturtag ab.

      KLEINE.tv

      Brad Pitts neuer Film: Fury

      Brad Pitt als Panzerfahrer im 2. Weltkrieg unterwegs. Premiere in Großbr...Noch nicht bewertet

       

      Events & Tickets

      Die besten Events in Kärnten und der Steiermark. Plus: Tickets für alle Veranstaltungen in ganz Österreich online bestellen.



      Kultur-Fotoserien

      Roger Cicero in der Stadthalle Graz 

      Roger Cicero in der Stadthalle Graz

       

      World Press Photo

      AP/Paul Hansen

      Erschütternde Augenblicke: Männer halten eine Zweijährige und ihren drei Jahre alten Bruder in den Armen: Beide Kinder starben bei einem israelischen Luftangriff. Diese und ähnlich bewegende Aufnahmen überzeugten eine internationale Jury.

       

      Kino-Fotoserien

      Michael Douglas im Porträt 

      Michael Douglas im Porträt

      Bibliothekenführer

      APA


      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!