Realistische Romanauszüge dominierten das Wettlesen
Erzählungen scheinen offenbar ebenso aus der Mode wie experimentelle Texte. Peter Wawerzinek wird als Favorit für den Hauptpreis gehandelt.

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Viel Realismus und noch mehr Romanauszüge gab es bei der 34. Auflage der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Nach den 14 Lesungen kristallisierte sich der aus Ostdeutschland stammende Peter Wawerzinek als Favorit auf den Ingeborg-Bachmann-Preis heraus, er las einen autobiografischen Text über seine Kindheit im Waisenhaus. Ein wenig aus der Mode geraten scheinen abgeschlossene Erzählungen, ebenso wie experimentelle Texte.
Wawerzinek präsentierte wie etliche andere Teilnehmer einen Auszug aus einem Roman, dessen Veröffentlichung bereits feststeht. Das darf zwar kein Kriterium bei der Beurteilung der literarischen Leistung sein, die Massierung dieses Phänomens birgt aber durchaus die Gefahr, dass das Klagenfurter Wettlesen zu einer PR-Veranstaltung für das Sommer- und Herbstprogramm der Verlage degeneriert. Neue Autoren können auf diese Weise wohl kaum entdeckt werden, eine Gefahr, derer sich die Jury bewusst sein sollte.
Wirklich experimentell war eigentlich nur die Lesung der Vorarlbergerin Verena Roßbacher, die denn auch sehr stark polarisierte. Juryvorsitzender Burkhard Spinnen brach nach Abschluss der Lesungen jedenfalls eine Lanze für die Freiheit der Kunst und das Experiment. Man müsse aufpassen, dass die Distanz zwischen Literatur und literarischer Unterhaltung nicht verloren gehe. "Früher waren die beiden auf verschiedenen Seiten der Straße, und man hat sich gegrüßt", so Spinnen. Heute sei die Literatur nur noch eine Abteilung großer Medienkonzerne, und da bestehe die Gefahr, dass die Idee aufkommen könnte, "das können wir ja auch, bloß nicht so teuer".
Neben Wawerzinek ist sicherlich auch Aleks Scholz preisverdächtig. Sein extrem distanzierter Text "Google Earth" scheint allerdings "ganz konkret auf den Bachmann-Preis hingeschrieben", wie ein Kritiker bemerkte. Scholz gehört zum Berliner Kreis um Kathrin Passig, die 2006 in Klagenfurt gewonnen hat und der meist entscheidend für den via Internet vergebenen Publikumspreis ist.
Zum engeren Favoritenkreis gehört auch Dorothee Elmiger, die junge Schweizerin präsentierte einen Romanauszug, dessen Veröffentlichung übrigens noch nicht feststeht. Elmiger, die im vergangenen Jahr als Stipendiatin beim Klagenfurter Literaturkurs gewesen war, überzeugte die meisten Juroren mit íhrer Apokalypse-Geschichte, in der sie "neu und originell" aus bestehenden Werken zitiert habe.
Als Außenseiter gehandelt wurden am Samstag auch noch Daniel Mezger, Max Scharnigg und Judith Zander. Eventuell könnte auch Sabrina Janesch, die die undankbare Aufgabe erwischte, als allererste lesen zu müssen, nachträglich besser bewertet und auf die Shortlist genommen werden. Chancenlos sind dagegen wohl die beiden österreichischen Teilnehmer Thomas Ballhausen und Josef Kleindienst.













