Interview mit Josef Kleindienst
"Gegen das Diskutieren ist auch nichts einzuwenden, solange es nicht persönlich wird", findet Josef Kleindienst. Sein Debüt "An dem Tag, als ich meine Friseuse küsste, sind viele Vögel gestorben" kommt im August.

Foto © APA/Elsa Okazaki
Josef Kleindienst ist einer von drei österreichischen Teilnehmern beim diesjährigen Wettlesen um den Bachmann-Preis. Er ist trotz seines für österreichische Verhältnisse relativ prominenten Namens in der Literaturszene kaum bekannt - und auch nicht zu verwechseln mit seinem Salzburger Namensvetter Robert Kleindienst, der im Vorjahr bei Skarabäus den Roman "Später vielleicht" veröffentlichte. Sein Debüt-Buch wird im August im Sonderzahl Verlag erscheinen: "An dem Tag, als ich meine Friseuse küsste, sind viele Vögel gestorben". Der Autor beantwortete per Mail einige Fragen der APA.
Welchen Text werden Sie in Klagenfurt lesen?
Josef Kleindienst: Das ist eine Überraschung.
Was bringt Sie zum Wettlesen?
Josef Kleindienst: Ich habe mich beworben und eine Jurorin hat mich ausgewählt. Grundsätzlich lese ich sehr gerne, ob das in Klagenfurt oder sonst wo ist, spielt keine Rolle. Aber momentan bin ich etwas verkühlt und meine Stimme ist heiser.
Haben Sie die Veranstaltung bisher schon verfolgt, und wie beurteilen Sie die dortige Situation des Lesens und raschen Beurteilt-Werdens?
Josef Kleindienst: Manchmal hab ich es verfolgt. Ich seh' das nicht so eng. Es ist auch kein Beurteilt-Werden sondern ein Diskutieren über Texte, wo verschiedene Menschen manchmal unterschiedliche Meinungen haben. Wenn man beurteilt werden möchte, sollte man dort eher nicht hinfahren, sondern sich nach einem anderen Job umschauen. Gegen das Diskutieren ist auch nichts einzuwenden, solange es nicht persönlich wird. Außerdem ist die Diskussionskultur hierzulande sowieso ausbaufähig, und das meine ich nicht nur auf die Literatur bezogen. Die Konsenskultur ist langweilig und erzeugt außer Stagnation gar nichts. Stabilität vielleicht, aber die kann einen auch erschlagen.
Wie wohl ist Ihnen beim Gedanken, was Sie dort an Rummel erwartet?
Josef Kleindienst: Ach, ein bisschen Rummel schadet nicht.
Welche Bedeutung hat das Schreiben in Ihrem Leben?
Josef Kleindienst: Schreiben ist das Aneinanderreihen von Wörtern; welche Wörter man verwendet, um etwas auszudrücken und wie man sie aneinander ordnet, all dies ergibt einen Rhythmus. Und der Rhythmus erzeugt ein Lebensgefühl, erzeugt eine ästhetische Wahrnehmung. Ich bin ein großer Verehrer von Leo Perutz, der in dieser Hinsicht eine wahre Meisterschaft entwickelt hat. Jedenfalls macht es Spaß, Realitäten zu erzeugen, es ist ein sehr lustvoller Prozess, den ich nicht missen möchte.
Was hat man sich näher unter "war in verschiedensten Berufen tätig" vorzustellen? Und wie war es "als Deutschlektor in Jemen"?
Josef Kleindienst: Das heißt, dass man als Künstler manchmal sehr flexibel sein muss. Im Jemen war es sehr nett. So wie man sich das als Westeuropäer vorstellt, ich war von Al Kaida und CIA Agenten umgeben. Manchmal gab es auch Schießereien. Aber keine Angst, ich werde nicht als Suizid-Attentäter in Klagenfurt auftreten.
Wo konnte man bisher auf Ihre Texte stoßen?
Josef Kleindienst: Nirgends, ich hab keinen Verlag gefunden. Mein Hörbuch "Werden Sie Mitglied" gab es bis vor kurzem unter www.castyourart.com zum runterladen. Da wurde es bis jetzt über 4000 mal downgeloadet. Aber jetzt hab ich's wieder vom Netz genommen. Ein kleiner Auszug ist noch dort.
Was hat man sich unter dem bei Sonderzahl erscheinenden "Friseuse"-Buch mit dem tollen Titel vorzustellen?
Josef Kleindienst: Eine Party. Das ist das perfekte Strandbuch.
Nervt es Sie, dass Sie einen bekannten Namen haben und vermutlich immer wieder für den ehemaligen FP-Polizeigewerkschafter Josef Kleindienst gehalten werden?
Josef Kleindienst: Nein, gar nicht. Dadurch hatte ich bis jetzt meine Ruhe, vor allem bei Polizeikontrollen. Außerdem erhalte ich immer wieder Facebook-Freundschaftsanfragen aus Dubai, meistens von Holländerinnen, die vorzugsweise vor einem roten Porsche posieren oder im Swimmingpool Sekt trinken. Aber seit ich das Bachmann Video gepostet habe, haben sie mich alle wieder gelöscht. Aber ich bevorzuge sowieso den Jemen.
Features
Über den Autor
Josef Kleindienst wurde 1972 in Spittal an der Drau geboren und lebt in Wien. Er studierte Philosophie, Theaterwissenschaften, Deutsche Philologie und Spanisch an den Universitäten Wien und Amsterdam und an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Josef Kleindienst war schon in den verschiedensten Berufen tätig - zuletzt, war er als Deutschlektor in Jemen beschäftigt. Er verfasst Prosatexte, Theaterstücke und Drehbücher. Publikationen in Anthologien und Literaturzeitschriften.












