APA: Sie haben als DJ gearbeitet, unterrichten an der Universität Wien, haben Comics gezeichnet, arbeiten im Filmarchiv Austria, sind literarisch tätig - gibt es einen deklarierten Fokus bei dieser enormen Bandbreite an Tätigkeiten?
Ballhausen: Text ist der Fokus, auf jeden Fall. Ich habe unheimlich viel Spaß an meiner Archivarbeit, habe große Freude an meiner Lehr- und Forschungstätigkeit, und ich denke, das verbindet sich auch gut. Wissenschaftliches und literarisches Arbeiten muss sich meiner Meinung nach nicht ausschließen; ich finde das immer extrem unerträglich, wenn man von älteren Semestern angerempelt und gefragt wird, 'Na, für welches Team spielst du denn jetzt?', um einmal in der WM-Metaphorik zu bleiben. Ich glaube, ich kann bei jedem Spiel für ein anderes Team spielen. Das, was ich zum jeweiligen Zeitpunkt mache, das muss ich für mich bestmöglich, so ernsthaft wie möglich machen - und dann schließt sich das nicht aus, sondern befruchtet sich gegenseitig. Dafür finde ich viel zu viele Dinge spannend, als dass ich nur in einem Bereich arbeiten könnte.
APA: Auch wenn das Wörtchen "ernsthaft" recht oft auftaucht, im Gespräch wird doch auch die Energie und Leidenschaft für die Arbeit deutlich...
Ballhausen: Man kann auch mit vollem Ernst sehr leidenschaftlich sein. Ernsthaftigkeit heißt nicht gleich graue Langeweile. Ich glaube, die Ernsthaftigkeit hat einen schlechten Ruf. (lacht) Das ist sehr schade. Ich muss nicht der Kasper sein, um mein Ding durchzuziehen, ohne das in Bausch und Bogen zu verurteilen, das muss jeder für sich wissen. Ich sehe das auch im Umgang mit anderen Kolleginnen und Kollegen: Wir sind zwar auf so unterschiedlichen ästhetischen Positionen, aber wir können uns trotzdem grüßen und auf ein Bier gehen. Das geht. Und ja, die Leidenschaft ist da, ich brenne für die Dinge, die ich tue.
APA: Es heißt, Sie gehen nie ohne Notizbuch außer Haus. Sehen Sie sich selbst mehr als Beobachter?
Ballhausen: Es gibt in der Psychologie den schönen Begriff der "teilnehmenden Beobachtung". Ich habe einmal eine semiotische Analyse eines Clubs geschrieben und unterschiedliche Abende dort untersucht - und ich glaube, man kann tanzend auch ganz gut beobachten. Das gilt auch für die Literatur. Ich möchte mir die Dinge immer ganz genau ansehen, bevor ich ein leichtfertiges Urteil darüber abgebe. Das gewissenhafte Sich-Gedanken-Machen, das ist mir ein großes Anliegen. Und das kostet natürlich auch viel Zeit, aber das ist es mir wert.
APA: Die Arbeit im Filmarchiv hat in den vergangenen Jahren auch einiges an Aufregung mitgebracht. Das Open-Air-Filmfestival vor dem Riesenrad, das sie mitkuratiert haben, wurde abgedreht, der Standort im Augarten steht mit der Diskussion um den Sängerknaben-Konzertsaal im Brennpunkt. Wie geht es Ihnen damit?
Ballhausen: Da kann ich nicht als offizieller Vertreter des Filmarchivs reden, da müsste man mit dem Direktor sprechen. Als beteiligter Beobachter und Privatperson kann ich nur sagen, dass ich es unglaublich schade finde, dass man das Praterkino abgestellt hat. Man wollte den Prater mit neuen Publikumsschichten füllen, das Projekt hat alle Streitparteien an einen Tisch gebracht - und es hat funktioniert. Und da hat man nichts Besseres zu tun als das abzudrehen? Das finde ich einen Witz und auch ein bisschen ärgerlich. Mehr als nur ein bisschen ärgerlich finde ich die Sache am Augartenspitz, wenn man eigentlich eine Gartenöffnung betreiben sollte. Das ist ein öffentlicher Garten, und wenn jetzt jemand einen Konzertsaal hinbaut und sagt, der Kulturauftrag findet sich im Shopbereich gespiegelt, wo ist denn da das verflixte Geschenk an die Öffentlichkeit? Da wundere ich mich sehr, das ist eine unerträgliche Situation. Am Augartenspitz ist jetzt Stacheldraht oben drauf - das ist ein entsetzliches Bild...
APA: Wie geht es nach Klagenfurt weiter? Was darf man sich von Ihnen erwarten?
Ballhausen: Nach Klagenfurt kommt mein neues Buch "Bewegungsmelder", das erscheint im Haymon Verlag. Der Text, den ich jetzt in Klagenfurt lese und der ja unveröffentlicht sein muss, ist in diesem Band enthalten. Der Verlag unterstützt mich mit allen Kräften, die glauben an meine "schwierige Literatur". Das ist ein extrem gutes Gefühl, das zu merken, und ich sehe mich da gut aufgehoben. Natürlich hängt vieles auch davon ab, wie der Wettbewerb ausgehen wird. Je besser ich dort abschneide, was auch immer das heißt, desto mehr Lesungen werde ich machen. Es wird im September auch eine Buchpräsentation geben, und der Verlag fragt natürlich auch schon nach dem Folgeprojekt. Für mich heißt es also einfach: weiterschreiben.














