Spiel mit Form und Funktion
Kristalline Werke, schräge Stühle und ein falscher Polizist. Kunst, Design und Experiment in drei aktuellen Grazer Ausstellungen.
Coole Kunst im Grazer Medienturm. Das Studio Walking-Chair hat einen Teil des Kunstvereins in eine unterkühlte Lounge mit Eisberg-Sofa und Plastik-Luster verwandelt, von Bogomir Ecker ist eine Installation samt Tiefkühltruhe und Schloßberg-Erkundung zu sehen. Daneben der berühmte "Chair One" von Konstantin Grcic.
Zwei Bereiche
"Das blaue Licht" nennt sich die Ausstellung im Rahmen von "Glanz und Verderben". Beleuchtet wird "Der Hang zum Kristallinen in Kunst und Design" (Untertitel). Für Kurator Vitus Weh zwei Bereiche, die "im Grunde von sehr unterschiedlicher Herangehensweisen und Verwertungssystemen geprägt werden", die sich aber im metaphorischen Feld des Kristallinen treffen.
Der Titel "Das blaue Licht" bezieht sich einerseits auf den medialen Lichtschimmer, anderseits auf Leni Riefenstahls Regiedebüt von 1932. Mehr als 75 Jahre später hat das"Unheimlich-Kristalline" (Weh) andere Formen: Gottfried Bechtold etwa zeigt einen nagelneuen Porsche - nach der Behandlung mit der Schrottpresse.
Mit Kunst, Design und "Oberflächen, die unseren Alltag ausstatten", beschäftigt sich die Schau im Grazer Kunstverein. Ausgehend von der Frage "Wie entsteht Bedeutung?" recherchiert die Dänin Pernille Kapper Williams ästhetische, ökonomische und biografische Hintergründe für das Zustandekommen eines Buchcover-Entwurfs. Auch die Arbeiten der Deutschen Nora Schultz sind Auseinandersetzungen mit der Visualität der Dinge und ihren räumlich-sozialen Zusammenhängen. Spielerisch baut Schultz die Arbeit eines anderen Künstlers nach, um diese danach zu einer Druckerpresse umzufunktionieren. Oder sie kombiniert Gestelle von Bauhaus-Stühlen so, dass diese als Sitzgelegenheit nicht mehr funktionieren. Gestalterische Prinzipien treten in den Vordergrund.
Einen Einblick in die 10-jährige Kunstgeschichte von rotor gibt die Jubiläumsausstellung "selected". Die von Margarethe Makovec, Anton Lederer und Lejla Hodic kuratierte Schau versammelt Arbeiten von mehr als 30 Künstlern, Designern und Kulturarbeitern aus Österreich und Südosteuropa. Constantin Lusers "Lichtschreibmaschine" (2003) darf dabei ebenso nicht fehlen wie Isa Rosenbergers "Sarajevo Guided Tour" oder Bernhard Wolfs "Parallelinfo". Und natürlich Ivan Moudov als falscher Grazer Verkehrspolizist (2001).














