Ein Abt, der nähen und bügeln kann
Heinrich Ferenczy ist Hausherr im Stift St. Paul, in dem am Samstag die Europaausstellung eröffnet wird. Sein Motto: Aus Geschichte lernen wir!

Foto © Katz-LogarDer Hausherr im Stift St. Paul, Heinrich Ferenczy.
Die Europaausstellung zeigt die gesamte europäische Kultur und Geschichte", sagt Abt Heinrich Ferenczy, der die Geschicke des Stiftes St. Paul im Lavanttal seit 24. Juli 2008 verantwortlich leitet.
Riesiger Aufwand.
"Der Mensch ist deshalb Mensch, weil er eine Geschichte hat", meint er. Auch Bruno Kreisky sei mit dem Aufruf "Lernen sie Geschichte" dieser Meinung gewesen. "Mit der Ausstellung kann man Geschichte tatsächlich lernen und erleben", ist der 70-Jährige, der sich mit Kräutertee und Radfahren fit hält, überzeugt. Die Vorbereitungen der Ausstellung waren ein riesiger Aufwand. "Neben der Beschaffung der wertvollen Exemplare haben wir auch das Stift saniert", berichtet Ferenczy, der mit seiner Familie im Alter von sieben Jahren (1945) aus Ungarn nach Wien kam und dort zweisprachig aufgewachsen ist. "Die Ausstellung dokumentiert die Macht des europäischen Wortes lückenlos", so der Abt, der seine Berufung zum Benediktiner schon als Jungscharleiter spürte und dessen Einsatz in St. Paul vor 13 Jahren als Administrator begann. "Die Gemeinde und die Betriebe des Ortes haben sich sehr bemüht. St. Paul erstrahlt in neuem Glanz."
Vor 19 Jahren beigetreten.
Ferenczy, der vorher das Wiener Schottenstift 17 Jahre als Abt leitete, ist dem Benediktinerorden mit 19 Jahren beigetreten. "Benediktiner leben eine Offenheit, die das Evangelium konkret erlebbar macht", begründet er seinen Beitritt. Die Mönche seien fromm, religiös und natürlich. "Wenn wir abgehoben sind, werden wir so wie die Pharisäer, die Christus ständig angreifen". Ferenczy sieht sich als Abt keineswegs als "Chef" seiner zwölf Mitbrüder, der Katholiken der Pfarre St. Georgen, wo er als Priester tätig ist, des Gymnasiums mit seinen Schülern und Professoren und der vielen Angestellten des Stiftes. "Das Wort Abt bedeutet Vater, meine Aufgabe ist der Dienst an den Menschen", stellt der pensionierte Germanist und Historiker, der noch eine Klasse des Stiftsgymnasiums in Philosophie unterrichtet, klar. "Ich bin der Kultur, Natur, Wissenschaft, den Sprachen und der Geschichte verfallen."
Wohlstand.
Ferenczy, der stolz darauf ist, ein froher und glücklicher Mensch zu sein, und neben dem Lesen und Fotografieren auch Handwerkliches wie Nähen, Basteln und Bügeln liebt, sieht den Hauptgrund für die heute zum Teil leeren Kirchen im Wohlstand. "Wir stehen aber an einer Wende. Die Jugend sucht den Glauben." Am Sonntag, am Tag der Eröffnung der Europaschau gilt sein großer Dank seinem Mitbruder Pater Gerfried Sitar, den braven Arbeitern und dem Land für 2,7 Millionen Förderung.
Features
Zur Person
Abt Heinrich Ferenczy stammt aus Ungarn, die Mutter war allerdings gebürtige Wienerin. Bereits in der Jugend hörte er den Ruf Gottes: Er war Ministrant und Jungschar-













