Stift St. Paul: Wort für Wort in die Geschichte eintauchen
Das Stift Sankt Paul putzt sich heraus. Zur Eröffnung der großen Europa-Austellung "Die Macht des Wortes" werden Raritäten aus ganz Europa erwartet, darunter auch die kostbaren "Merseburger Zaubersprüche".

Foto © Stift St. Paul
"Ben zi bena, bluot zi bluoda, lid zi geliden, sose gelimida sin" ("Knochen zu Knochen, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, so seien sie festgefügt"). Glaubt man einer Handschrift aus dem 9. Jahrhundert, soll der südgermanische Gott Wodan mit diesen Worten versucht haben, sein Pferd zu heilen. Heute sind die Merseburger Zaubersprüche aus keinem Schulbuch mehr wegzudenken. Ursprünglich in Fulda verfasst, lagert die Handschrift eigentlich in Merseburg. Ab dem 26. April kann man sie bei der Europaausstellung "Macht des Wortes" im Benediktinerstift St. Paul bewundern - zusammen mit geschichtsträchtigen Handschriften aus ganz Europa. Ein paar Kilometer entfernt öffnet die Parallelaustellung "Macht des Bildes" in Bleiburg ihre Pforten.
Auf Schritt und Tritt. Ob die Beschwörung damals glückte, bleibt dahingestellt. Aber über die Macht, die Worte ausüben, besteht wohl kaum ein Zweifel. "Die Macht des Wortes begegnet einem auf Schritt und Tritt. Ob jetzt in einem rechtlichen Erlass oder in einem Brief zweier Liebender - auf der ganzen Bandbreite der zwischenmenschlichen Begegnung bestimmen Worte unser Leben", erklärt der Projektleiter der Schau Gerfried Sitar. Er ist einer, der es wissen muss, schließlich leitet der passionierte Buchliebhaber und Benediktinerpater seit dreizehn Jahren die Bibliothek des Stifts St. Paul. Und dieses gilt nicht umsonst als das Schatzhaus Kärntens. Hier lagern Gemälde von Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens oder Leonardo da Vinci und die bedeutendste klösterliche Büchersammlung Österreichs. 2009 öffnet das Kloster erstmals sein Archiv und macht die Kostbarkeiten einer breiten Masse zugänglich.
Vier Milliarden. Der Wert der gezeigten Exponate beläuft sich laut Angaben Sitars auf rund vier Milliarden Euro. Aber mit Zahlen lässt sich die geschichtliche Brisanz der gezeigt.











