Adam Green: Noch grün hinter den Ohren
Zum neuen Album spricht Adam Green (26) über sich, Kafka, die Medien und das Erwachsenwerden.

Foto © ReutersAdam Green
Das neue Album nennt sich "Sixes and Sevens", was soviel bedeutet wie heilloses Durcheinander. Beschreibt das Adam Greens Wesen?
ADAM GREEN: Im Gegenteil! Der Titel ist ironisch. Ich hatte keine Ahnung, was er bedeutet. Ich mag ihn aber, weil er gut klingt.
Das Album bietet viele Richtungen - Pop, Indie-Pop, Motown-Sound, usw. Welche Richtung ist Ihnen eigentlich die liebste?
GREEN: Eigentlich identifizierte ich mich damit, ein Folk-Singer zu sein, aber das blieb ich nur eine zeitlang. Inzwischen glaub' ich nicht mehr daran. Ich bin Musiker und will alle Arten von Musik machen.
Manche Songs sowie Texte von Ihnen erscheinen sehr sprunghaft in ihrem Verlauf. Wie komponieren Sie? Flink oder bedächtig?
GREEN: Songs wie "That Sounds Like A Pony" schreiben sich schnell, doch üblicherweise nehme ich mir einige Wochen Zeit dafür. Es lässt sich vergleichen mit Wellen, die gegen Klippen donnern. So in etwa wie Erosion. Je öfter sie das tun, desto mehr werden die Steine abgewaschen, geglättet. So ähnlich forme ich meine Texte. Und ich schreib' nie unter Druck.
Warum sind sie in Ihrer Heimat den USA bedeutend weniger erfolgreich als in Europa?
GREEN: Und das, obwohl meine Musik eigentlich sehr amerikanisch ist. Aber das ist auch eine Mediengeschichte. In Europa hört man meine Songs, und ich bin in den Medien präsent. In Amerika hat niemand Artikel über mich geschrieben. Würde die Presse hier auf mich aufmerksam werden, könnte ich wohl auch in den USA Erfolg haben. Darüber denke ich aber nicht nach.
Ihre Ur-Großmutter Felice Bauer war mit Franz Kafka verlobt. Wie sieht ihre Beziehung zu dem Schriftsteller aus?
GREEN: Wir lasen ihn in der Schule, und ich kann über ihn nichts Schlechtes sagen. Doch bin ich mir sicher, dass meine Ur-Groß
mutter einige schlimme Dinge über Kafka zu sagen hätte, denn er hat ihr das Herz gebrochen.
Wie Sie sich auf der Bühne bewegen und was sie singen, wirkt manchmal teenagerhaft. Sie wollen nicht so wirklich erwachsen werden, oder?
GREEN: Das ist doch gut! Das Musikgeschäft ist für mich ein unmoralischer Spielplatz. Und von mir wird es keinen moralischen Rock zu hören geben, nicht gesanglich, nicht verbal.
Nehmen Sie sich selbst Ernst?
GREEN: So halb. Ich ändere meine Denke die ganze Zeit. Aber ich will weder bekifft herumlaufen, noch unterkühlt sein wie ein Stein. Sich halbernst zu nehmen halte ich für das Beste. Und das mögen wohl auch meine Fans an mir.
Features
Zur Person
Adam Green wurde am 28. Mai 1981 in Mount Kisco (NY) geboren. Er war bis 2002 Mitglied der Anti-Folk-Band Moldy Peaches.
Solo-Alben: Adam Green (2002), Friends of Mine (2003), Gemstones (2005), Jacket Full of Danger (2006).















