Vom Ausland an die Wand gespielt
Die Zahl der jungen heimischen Profi-Geiger und Pianisten sinkt - eine alarmierende Entwicklung für Experten wie Dirigent Ernest Hoetzl.

Foto © APMit eiserner Disziplin in frühester Kindheit stechen Osteuropäer und Asiaten österreichische Musikstudenten aus
Diplomatische Empfänge und Österreichs Musikhochschulen haben eines gemeinsam - sie sind ein buntes Zusammentreffen verschiedener Kulturen. "Der Ausländeranteil an den Unis beträgt in manchen Bereichen 90 Prozent", sagt Ernest Hoetzl, Dirigent und künstlerischer Leiter des Kärntner Musikvereins. Vor allem bei übungsintensiven Instrumenten wie Geige und Klavier spielen Asiaten und Osteuropäer heimische Musiker an die Wand. Deutlich zeigte sich das jüngst beim Wörthersee-Musikstipendium, an dem 70 Spitzen-Geiger aus 25 Ländern teilnahmen; davon stammten nur zwei aus Österreich, die beiden Kärntnerinnen Judith Fliedl und Nina Popotnig. Gewonnen hat ein Pole.
Gleich mehrere Faktoren macht Hoetzl für die sinkende Zahl von einheimischen Nachwuchsmusikern verantwortlich. "Ein Zauberwort ist Disziplin, die bei uns ein gesellschaftliches Tabu und negativ besetzt ist. Im Gegensatz zu den Asiaten, die bei der Aufnahmsprüfung an der Uni Österreicher mit technischem Können übertrumpfen, weil sie schon im frühen Alter mit dem stundenlangen Üben beginnen." Nur bei Blasinstrumenten und Kontrabass, die weniger Training in früher Kindheit erfordern, hat die ausländische Konkurrenz nicht so weit die Nase vorn.
Gesunkenes Niveau. Dennoch sei die Lücke zwischen Musikschule und Uni für viele Kärntner Jungmusiker so groß, dass sie nur schwer geschlossen werden könne. Hoetzl macht dafür eine Uni-Reform vor rund 20 Jahren verantwortlich. Damals habe man den Fehler gemacht, Konzertfach und Pädagogik zu trennen. "Was de facto bedeutete, dass jene, die zu schwach fürs Konzertfach sind, Lehrer wurden", kritisiert der Experte. Dadurch sei das Niveau des Unterrichts an den Musikschulen stetig gesunken. Mit der jüngsten Musikhochschulreform habe man versucht dies zu reparieren. "Man hat große, pädagogische Abteilungen zerschlagen ", sagt Hoetzl. Bis sich das neue System eingespielt habe, werde es allerdings noch lange dauern.
Schwieriges Profitum. Doch selbst wenn Talent und Können stimmen, entscheiden sich immer mehr Kärntner gegen eine Profi-Karriere. Denn aufgrund des Starruhms, der die mediale Aufmerksamkeit und damit auch die der Veranstalter auf einige wenige wie die Sopranistin Anna Netrebko und den Pianisten Lang Lang konzentriert hat, können viele nicht mehr mit einem finanziellen Auskommen rechnen. "Ein Veranstalter gibt lieber 40.000 Euro für Lang Lang aus, als 5000 Euro für einen unbekannten Spitzenpianisten. Man weiß, dass man bei ersterem ein volles Haus hat, Sponsoren findet und die Kritiker kommen, beim anderen bleibt man aber auf einem Defizit von 3000 Euro sitzen."















