Die Geschichte im Visier
Bei der "Diagonale 2007" wurde er ausgezeichnet, jetzt läuft er im Kino an: Der neue Dokumentarfilm "Der Kärntner spricht Deutsch"von Andrina Mracnikar.
Es ist das Jahr 1938. Österreich ist durch den Anschluss Teil des Deutschen Reiches. Für die slowenischsprachigen Kärntner bedeutet das von oben angeordnetes Verleugnen der Muttersprache. Sich daran zu halten, ist lebensnotwendig, denn andernfalls droht die Deportation.
Zum Thema
"Diagonale 2007".
Knapp 70 Jahre später erteilt die Regisseurin Andrina Mracnikar Kärntner Slowenen, die im Widerstand, bei der Wehrmacht, bei den Partisanen oder im KZ waren, das Wort. Sie erzählen im Dokumentarfilm "Der Kärntner spricht Deutsch", der jetzt in den Wiener Kinos anläuft und bei der "Diagonale 2007" als "Bester Nachwuchsfilm" ausgezeichnet wurde, von ihren Erlebnissen. "Es ist ein Zeitdokument, das es in der Form bisher nicht gegeben hat. Das Thema war mir wichtig, weil viele heute gar nicht wissen, dass Kärntner Slowenen deportiert wurden", sagt die in Wien lebende Keutschacherin.
Vertrautheit.
Rund dreieinhalb Jahre lang hat Mracnikar an der Doku gearbeitet, die im Jänner im Volkskino Klagenfurt zu sehen sein wird. Viel Zeit hat die 26-Jährige unter anderem in die Recherche und die Treffen mit den Interviewpartnern investiert. Kärntner Slowenin zu sein, war dabei hilfreich, wie sie betont: "Dadurch gab es eine gewisse Vertrautheit und das Gespräch erschien weniger offiziell."
Dokumentarfilm.
"Der Kärntner spricht Deutsch" ist nach "Andri 1924 - 1944" bereits der zweite Dokumentarfilm, in dem sich Mracnikar mit der Geschichte der Kärntner Slowenen in der Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg auseinander setzt. Nun sei dieses Thema für sie "vorerst einmal abgeschlossen". So geht das Projekt, an dem die Studentin der Wiener Filmakademie derzeit arbeitet, auch in eine ganz andere Richtung. Sie stellt den Kurzfilm "Die Wand ist abgerissen" mit Schauspielerin Gerti Drassl fertig, in dem es um Wahrnehmung von Realitäten geht. Zuvor hat sie mit anderen Studenten unter Leitung von Regisseur Michael Haneke an der Verfilmung des Theaterstücks "Krankheit der Jugend" gearbeitet. "Eine spannende Erfahrung", schwärmt Mracnikar, drehte sie doch mit faszinierenden Schauspielern wie Birgit Minichmayr und Uschi Strauss.
Nächster Film.
Obwohl der letzte Film noch nicht fertig ist, denkt die mehrfache "Diagonale"-Preisträgerin schon an den nächsten. Das Thema des Spielfilms hält sie unter Verschluss. Nur soviel: Im Frühjahr wird das Drehbuch überarbeitet und ab Winter 2009 soll in Paris und Wien gedreht werden.














