Die Befreiung von der "Dorfskurrilität"
Von der "rozznjagd" zum "Einbruch der Dunkelheit": Klaus Amann (Musilinstitut Klagenfurt) hat den ersten Sammelband über Peter Turrini heraus gegeben.
Die deutsche Dramaturgie war mir immer etwas zu intelligent, zu essayistisch, zu viel Metaphysik und zu wenig Spaghetti", schrieb Peter Turrini 1998 an eine italienische Dissertantin. Das mag einer der Gründe sein, warum es den Theaterdichter immer wieder zu Carlo Goldoni zog, von dem er bereits mehrere Stücke bearbeitet hat (die Kritik seiner Goldoni-Neuschreibung "Der Diener zweier Herren" finden Sie rechts). Die Theaterwissenschaftlerin Monika Meister hat noch ein paar Gründe zu bieten: unter anderem Turrinis Herkunft (der Vater stammte bekanntlich aus Italien) und Goldonis Bedeutung als Reformer und Erneuerer seiner Zeit.
Musil-Institut. Wem das jetzt bekannt vorkommt, der saß vielleicht im Jahr 2004 im Symposium "Bürgerschreck und Menschenfreund", das vom Musil-Institut zu Turrinis 60. Geburtstag veranstaltet wurde. Und wem es nicht bekannt vorkommt: Seit ein paar Tagen kann man Meisters Beitrag über "Tradiertes Theater, politisch verschärft" im allerersten Turrini-Sammelband nachlesen.
Symposium. Herausgeber Klaus Amann hat für das Buch "Peter Turrini. Schriftsteller, Kämpfer, Künstler, Narr und Bürger" die Autoren des Symposiums zur Feder gebeten (so schreibt etwa Doris Moser über Turrini und das Fernsehen, Wendelin Schmidt-Dengler über die "rozznjogd" und Arno Russegger über die "Alpensaga"), und auch selbst dazu gegriffen. Von ihm stammt ein Beitrag über den Tonhof, auf dem Gerhard und Maja Lampersberg ihre Künstlerfreunde um sich sammelten und der Turrini als eine Art Folie für sein im Vorjahr uraufgeführtes Stück "Bei Einbruch der Dunkelheit" diente. Amann: "Das schien mir eine gute Gelegenheit, etwas über den Tonhof zu machen, der ja für Turrini eine große Rolle gespielt hat - in der Literaturgeschichtsschreibung aber bisher wenig beachtet wurde und eher als Gerücht existiert."
Tischlersohn. Amann erzählt unter anderem, dass der dickliche Tischlersohn, der am laufenden Band Gedichte schrieb, für einige der Tonhof-Gäste so etwas wie eine "Dorfskurrilität" gewesen ist, allen voran für Thomas Bernhard, der dem damals 18-jährigen schrieb: "junger turrini: was immer sie am tonhof sehen und hören, vergraben sie es in sich. genug platz ist da ja. th. bernhard." Ein Rat, den sich Turrini, für den Gerhard Lampersberg die "entscheidende Begegnung meines Lebens" war, glücklicherweise nicht allzu sehr zu Herzen nahm.
Features
Peter Turrini
Schriftsteller, Kämpfer, Künstler, Narr und Bürger. Residenz, 19,90 Euro. Hrg. Klaus Amann. Mit umfassender Bibliographie, dem Verzeichnis der Uraufführungen und einer Rede Turrinis ("Wir, die Barbaren").














