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    Zuletzt aktualisiert: 11.09.2007 um 20:40 Uhr

    Junge Wilde aus dem Untergrund

    Ein Spaziergang mit dem Schriftsteller Alois Brandstetter zu Schauplätzen der heimischen Graffiti-Szene.

    Alois Brandstetter steht mit gelassener Miene vor dem Carinthia-Gebäude. Auch der wenig später einsetzende Regen wird sie nicht trüben. Mit einem Fingerzeig weist er auf "seinen" Sprayer hin, der nicht unweit der Redaktion der Klagenfurter Kleinen Zeitung auf einer Hauswand prangt. Wir unterhalten uns über die so genannten "Tags" (Englisch ausgesprochen "tägs"), mit denen die Sprüher ihre Pseudonyme in stilisierter Schrift hinterlassen. Es sei schon ein Zeichen des Besitz-Ergreifens, sinniert der Autor von "Ein Vandale ist kein Hunne." Vandalismus im wahren Wortsinn, Eroberung also, ergänze ich. Den eigenen Namen irgendwo auf eine Wand hinzusetzen als Ausdruck von Geltungsdrang.

    Phänomen unserer Zeit. "Dieser Drang ist auch bei Schriftstellern gegeben", meint der emeritierte Universitätsprofessor Brandstetter, und zitiert Freud, der den Geltungstrieb des Menschen als einzigen noch über den Sexualtrieb gestellt hat. Mit der Prominenz und Kollegenschaft von berühmten Vorbildern zu prahlen etwa, meine ich, ist ein Phänomen unserer Zeit. Er erzählt daraufhin, wie einer seiner Kollegen nie zu erwähnen vergaß, dass er mit Handke zusammen in Tanzenberg die Schulbank gedrückt hätte. "Dabei war er selber kein schlechter Schriftsteller", fügt der 68-Jährige hinzu.

    Schwarz ist keine Farbe. Wir gehen die Hasnerstraße entlang, in der eine von vier legalen Graffitiwänden in Klagenfurt zu finden ist. Brandstetter zeigt sich von den Wandbildern beeindruckt, und weist mich auf die häufige Verwendung von Schwarz in den dortigen Graffiti hin. "Schwarz ist keine Farbe, hat unser Zeichenlehrer in der Schule gesagt, und uns das Schwarz aus den Malkästen entfernt", erzählt er aus seiner Jugend. Graffiti würde ihm gefallen, weil es so unvermittelt sei, mit grellen Farben gemalt, wie die Murals südamerikanischer Maler.

    Widerspruch. Wir reden davon, dass viele von den jungen "Vandalen" illegal tätig sind und sich von der Stadt verfolgt fühlen. "Die Sprüher, die an legalen Wänden malen, werden ja von ihren Kollegen verachtet." Es gebe in der Szene einen gewissen Widerspruch zwischen dem Streben nach Anerkennung und dem Bedürfnis, Underground zu sein.

    Kunstform. Merkwürdig sei die Vergänglichkeit dieser Kunstform, sagt er dann. Viele Graffiti würden nach einigen Wochen wieder verschwinden, einfach übermalt werden. Es gehe um Respekt in der Szene, füge ich an. Nur wer respektiert wird, wird nicht übermalt. Einige von den Sprayern hat Brandstetter persönlich kennen gelernt. Er habe ein ambivalentes Verhältnis zu ihnen, anbiedern habe er sich nicht wollen.

    "Style". Auch bezeichnet er die Ausdrucksweise der Szene, mit englischen Begriffen wie "Style", "Outline", oder "Crossen" als Philistersprache, also als etwas ihm Fremdes, Barbarisches. Aber eine gewisse Sympathie für die "jungen Wilden" kann man diesem älteren Herrn schon ansehen.

    ALEXANDER FANTA

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