Mein schönstes Querdenkerurlaubsfoto
Wahlkampf ohne Wahlkampf oder was politischen Machthabern blüht.

Foto © GstättnerDas Plakat "überlebte" Bundespräsident Franz Jonas
Sommer 2007: Ganz Kärnten ist vollgeklebt mit Wahlplakaten: Wo immer man hinschaut, schaut ein Politiker zurück; immer nur einer, aber das ist man ja gewohnt. Dabei ist gar keine Wahl in Sicht, es sei denn: Nach der Wahl ist vor der Wahl, vor der Wahl nach der Wahl und Wahlkampf herrscht immer.
Plakatieren. Wozu lässt man sich ohne Grund und ohne Anlass im ganzen Land plakatieren? Ist das nicht peinlich, abgesehen davon, dass es teuer ist?, fragt sich Frau Wegscheider. Sie hätte lieber einen originellen, sommerlichen Schnappschuß, so einen, den man als "mein schönstes Urlaubsphoto" an die Redaktion der Zeitung schicken könnte. Die Sprüche auf den Wahlplakaten neben dem Politiker sind weder originell, noch neu. Im Grund könnte man die vor Jahrzehnten auch schon gelesen haben. Später einmal, wenn sie nolens-volens abgedankt und die Macht abgetreten haben, werden sich die Politiker für ihre phrasenhafte Selbstbeweihräucherung vielleicht genieren.
Überklebt. Plakate werden schnell alt und unaktuell. Aber die Plakatierer machen sich nicht die Mühe, die alten von der Wand zu kratzen. Über die alten kleben sie einfach neue Plakate, über Politiker Lebensmittel, über Lebensmittel Autos, über Autos Mineralwasser oder Bier oder Telephongesellschaften. Und darüber wieder neue Politiker, Schicht um Schicht.
Archäologen. Manchmal folgen den Plakatierern Archäologen, kletzeln die Plakate wieder weg und legen machtlos gewordene Geschichte frei: So vergangen wird unsere Gegenwart auch einmal sein.
Urlaubsfahrt. Auf einer Urlaubsfahrt ins Gailtal bremste ich bald nach Nötsch in Michelhofen plötzlich scharf: Da war so ein Plakat auf einem Heustadel. Das gibt's doch nicht! Das ist doch...! Aber niemand von meinen jüngeren Bekannten konnte das plakatierte Gesicht noch identifizieren. Nur Frau Wegscheider verstand meine Verblüffung. Sie photographierte mich neben dem Plakat und schlug vor, "mein schönstes Querdenkerurlaubsphoto" an die Redaktion zu schicken. Vielleicht sieht dadurch auch der eine oder andere Machthaber, was übrig bleibt und was ihm einmal blüht.















