"Man ist bestens ersetzbar"
Thomas Daniel Schlee über seine vierte Ossiacher Saison, alte Rücktrittsgedanken und neue Projekte.
Die Presseabteilung des Carinthischen Sommers hat soeben 15.000 Besucher und eine "Rekord-Auslastung" von 82,4 Prozent vermeldet. Darf man davon ausgehen, dass Sie mit der abgelaufenen Saison zufrieden sind?
Thomas Daniel Schlee: Ich nehme es dankbar an, aber ich habe jetzt auch nicht das Geheimrezept gefunden. So tief meine Sorgen im letzten Jahr gewesen sind, weil ich einfach nicht begriffen habe, warum die Dinge so waren wie sie waren, so glücklich bin ich, dass es heuer funktioniert hat.
Stimmt es, dass Sie vergangenes Jahr, nicht zuletzt wegen des schlecht besuchten Mozart-Programmes, knapp daran waren, das Handtuch zu werfen?
Thomas Daniel Schlee: Ich habe das ernsthaft überlegt. Man ist ja von der einen Minute auf die andere bestens ersetzbar. Da darf man sich nicht die geringste Illusion machen. Meine Sache ist halt: ich klammere meine Existenz nicht an einen bestimmten Arbeitsplatz, ich bin ja auch künstlerisch sehr viel tätig. Wobei der Erfolg nicht nur vom Intendanten abhängt, sondern auch von äußeren Mechanismen. Etwa: Wie ist das Umfeld am Ossiacher See? Was gibt es und was gibt es nicht, um eine Atmosphäre zu schaffen, die das Festival exklusiv macht?
Was fehlt Ihnen zum Beispiel?
Thomas Daniel Schlee: Die entsprechende Hotellerie und Gastronomie, was hilfreich wäre, damit die Leute gerne zu den Konzerten anreisen.
Gerne angereist ist heuer vor allem ein junges Publikum. Hat sich die Ausweitung der musikalischen Palette, das weitere Abrücken vom reinen Klassik-Anspruch, bewährt?
Thomas Daniel Schlee: Ja, absolut. Das hat sich als richtiger Weg erwiesen gegenüber den neueren Festivals, die zum Teil sehr eng gezogene Themenbereiche bearbeiten, etwa die Alte Musik oder die Avantgarde. Man wirft ja dem bürgerlich-klassischen Publikum gerne vor, sich abzuschließen. Das stimmt aber nicht. Meine lieben, treuen Gäste, die seit 30 Jahren zum Carinthischen Sommer gehen, waren bei Mnozil Brass, bei Franz Kogelmann im Steinhaus oder beim Vegetable Orchestra und haben mir dabei ganz liebe Blicke zugeworfen. Was wir noch nicht geschafft haben, ist, dass das junge Publikum zum Streichquartett kommt. Das würde ich noch gerne erreichen.















