Nur der Ferdl ist schon tot
Literatur-Feinspitze lassen sich Gmunden munden: Ein Spaziergang zwischen den "Langzeit-Regenten" Handke und Bernhard.

Foto © APA Im Gespräch mit Peter Handke: Literatur steht im Mittelpunkt
Von Plakatständern blicken die künstlerischen Festwochenakteure auf jene, die am Traunseeufer lustwandeln. Flächendeckend am Umschlag der Programmbroschüre leuchtet dem Betrachter der "Mittelpunktkünstler" des Festivals, Peter Handke, entgegen. Warum dies? Des nahenden 65. Geburtstags wegen?
Erste Station. Erste Station ist das Kaffeehaus an der Gmundner Esplanade. Die Intendantin der Salzkammergut-Festwochen, Jutta Skokan, erzählt: "Handke selbst ist unserer Idee von Anfang an sehr wohlwollend begegnet. Am Abschlussfest hat er persönlich teilgenommen - übrigens auch Tochter Amina und deren Mutter Libgart Schwarz." Und der künstlerische Berater für das literarische Programm, Franz Schuh, geistiger Höhlenforscher und Poet, spricht vom "gegenseitigen "Wärmestrom" zwischen den Beteiligten: Von Wim Wenders (Film), bis Bruno Ganz (Lesung), von Alfred Kolleritsch (erster Wegbegleiter in Graz), über Jugoslawien-Wegbeleiter Thomas Deichman, bis zu den Werkspezialisten (u. a. Fabjan Hafner vom Musil-Institut Klagenfurt) waren alle da.
Bei Bernhard zu Hause. Zweite Station: Ohlsdorf bei Gmunden; Wohnhaus Thomas Bernhard. Fixe Themenschiene der Festwochen ist das Werk Thomas Bernhards, das unter anderem auch in seiner "Festung", dem Vierkanthof in Obernathal bei Ohlsdorf, entstand, heute oft "gestürmter" Veranstaltungsort Binnen einer Woche traten dort Sprach-und Sprechkünstler wie Martin Schwab und Herrmann Beil (mit der szenischen Lesung "Der Schein trügt" von Bernhard) auf. Ulrich Matthes hielt eingangs seiner Lesung von Bernhards "Gehen" das Buch in den Bühnen-Lichtkegel und meinte: "Ich sah mich wegen der durchgehenden Musikalität von Bernhards Sprache außerstande, eine Strichfassung anzufertigen. Ich werde also so lange lesen, wie es geht..." Und es ging fast eineinhalb Stunden in gespannter Mucksmäuschenstille.
Kultur-Frühschoppen. Dritte Station: Gasthofsaal in Kirchham (zwischen Ohlsdorf und Gmunden). Die getäfelte Gaststube ist gedroschen voll. Etwa 70 Erwartungsfrohe harren des Kultur-Frühschoppens. Es sind ausgesprochene Feinspitze darunter, die mit Bernhard noch persönlich zu tun hatten. Und das Programm ist auch etwas für Feinspitze. Die beiden Kärntner, der Schauspieler Peter Raab und die Musikerin Miramis Mattitsch, haben ein stimmiges Bernhard-Programm (Prosa und Lyrik, umrahmt von Violoncello-Tönen) vorbereitet. Am Ende steht Bernhards erste Gedichtveröffentlichung (1952). Darin heißt es "ein Wagen knarrt, ein Alter steht - und wartet bis der Tag vergeht." Unwillkürlich schaut man durchs Gaststubenfenster und meint, den Knecht Ferdl, der Bernhard beim Renovieren seines Bauernhofs half, im Regen stehn zu sehen. Doch der ist schon lange tot.
Salzkammergut Festwochen. Ganz und gar lebendig sind hingegen die "Salzkammergut Festwochen" mit ihrem Programm bis zum 14. September.
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Karten:
unter Tel. 076 12/70 630















