Abgründiger Gipfelsieg der Kunst
Helga Druml hat für die höchstgelegene Kirche Österreichs (in Kärnten) eine "Schwarze Madonna" geschaffen.
"Braun bin ich, doch schön, ihr Töchter Jerusalems", heißt es im biblischen Hohelied. In allegorischer Übertragung dieser Worte auf Jesus und Maria bzw. Gott und die Kirche entstanden im Laufe der christlichen Jahrhunderte zahlreiche "Schwarze Madonnen", von denen jene im italienischen Wallfahrtsort Loreto die berühmteste wurde.
Dunkelhäutige Madonna. Nun hat die (auch in Klagenfurt-Loretto) verehrte Frauengestalt Konkurrenz bekommen. Nur wenige Meter unter dem Gipfelkreuz des Dobratsch schuf Helga Druml ein Marienbildnis, das alle Voraussetzungen für eine Kultfigur besitzt: ein Fresko mit dunkelhäutiger Madonna und blondem Jesuskind, gemalt über dem Eingang der höchstgelegenen Kirche der Ostalpen, auf 2.160 Metern Seehöhe.
"Windische Kirche". Bis vor kurzem gehörte die so genannte "Windische Kirche" den Besitzern von Schloss Wasserleonburg, die sie Ende des 17. Jahrhunderts errichten ließen - als Dank an die Gottesmutter für die Genesung eines taubstummen Kindes. Letztes Jahr ging die Kirche in den Besitz der Pfarre Saak über, die sich sofort an die Restaurierung machte und Helga Druml mit der Schaffung eines Freskos beauftragte.
Afrika trifft Europa. "Mir war es ein Anliegen, Menschen zu malen, die heute leben und so fiel meine Wahl auf eine Äthiopierin aus einem Afrikabuch und ein Kind aus meinem Wiener Freundeskreis", erklärt die 35-jährige Frohner-Schülerin ihre lebensnahen Gestalten. Theologische Überlegungen spielten für sie dabei weniger eine Rolle als geologische: "Da im Dobratsch die Afrikanische Platte auf die europäische stößt, habe ich mich für eine schwarze Madonna mit blondem Kind entschieden", hebt Druml das Völkerverbindende ihrer Arbeit hervor und fügt hinzu: "Ich wollte jedenfalls keine spießige Madonna malen und auch die Spannung fortführen, die am Dobratsch zwischen der Deutschen und der Windischen Kirche besteht".
Höhenangst, Wind und Kälte. Um ihr Vorhaben verwirklichen zu können, hat die promovierte Philosophin einige Mühen auf sich genommen: "Ich habe eine Woche lang im ORF-Sender gewohnt und musste für die Arbeit auf ein Gerüst steigen. Höhenangst, Wind und Kälte waren meine ständigen Begleiter." Schließlich konnte die Malerin ihr Werk in nur drei arbeitsreichen Tagen vollenden.
Über den "Jägersteig" sind es vier bis fünf Gehstunden von der Kirche hinab nach Nötsch, wo Helga Druml aufgewachsen ist. Die Einflüsse von Anton Kolig und Franz Wiegele sind auch in Drumls jüngster Arbeit spürbar, auch wenn sie Vergleiche mit den beiden großen Menschenbildnern ("das wäre anmaßend von mir") nur ungern zulässt.
Schwarze Madonna. Nach ihrem Saaker Totentanz ist die von Dohlen umkreiste Schwarze Madonna bereits die zweite sakrale Schöpfung der gebürtigen Villacherin - ein Werk voller Hintersinn und Ironie, eine glänzende Oberfläche, hinter der sich Abgründe und ungelöste Konflikte verbergen. Gerade hier, am Treffpunkt der Kontinente.
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Fakten
Einweihung der restaurierten Kirche und des neuen Freskos: 1. Juli, um 11 Uhr.















