"Turn It On Again" in Helsinki: Genesis sind zurück
Nach der Generalprobe - einem letzten Durchlauf aller Songs am Sonntag - wurde es am Montag für die drei Mittfünfziger Collins, Banks und Rutherford ernst.

Foto © ReutersBühnen-Comeback von Genesis nach 15 Jahren
Aus der ursprünglich angedachten
Wiedervereinigung mit Ex-Frontman Peter Gabriel und Gitarrist Steve
Hackett wurde zwar nichts, mit Phil Collins, Mike Rutherford und Tony
Banks stand am Montag in Helsinki aber immerhin jenes Kerntrio von
Genesis auf der Bühne, mit der die legendäre Rock- und Popkiste in
den 80er Jahren ihre großen kommerziellen Erfolge gefeiert hatte.
Pause seit 1992. Aus ganz Europa und sogar aus Übersee reisten schon am Wochenende
die treuesten Fans nach Finnland an, um beim ersten Konzert ihrer
kultisch verehrten Helden seit 1992 dabei zu sein. Nils (25) zum
Beispiel aus Rotterdam und Sylvia (28) gar aus Tasmanien. Beide
wollen noch mehrere der über 20 geplanten Stadion-Konzerte auf der
"Turn It On Again"-Tournee sehen. "In drei Tagen geht es nach
Hamburg. Ich plane, auf vier Konzerte zu gehen," sagt Nils lachend,
und fügt hinzu: "für's erste".
Augenzwinkernd. Im fast ausverkauften Olympiastation von
Helsinki entschuldigte sich ein etwas magerer gewordener, aber
sichtlich gut aufgelegter Phil Collins gleich zu Beginn der Show bei
den gut 35.000 Zuschauern, dass im Lauf des Abends wohl einige Töne
gespielt und gesungen würden, die sie zuvor noch nie gehört hätten.
Zusatz: "und manche davon sind auch absichtlich".
Auch in Linz
Bis 14. Juli stehen in Europa noch 22 Konzerte auf dem Genesis-Tourkalender. In Österreich sind Phil Collins & Co. am 19. Juni im Linzer Gugl-Stadion zu sehen.
Kaum Überraschungen. Überraschungen im Set gibt es erwartungsgemäß wenige: Da wird in
Stücken wie "Firth Of Fifth" (1973, noch mit Peter Gabriel) oder im
wunder-
schönen "Ripples" frühen Prog-Rock-Zeiten ebenso gehuldigt wie
den kommerziellen 80ern. Die älteren Fans kommen auf ihre Rechnung,
wenn Mike Rutherford bei "In The Cage" die mittlerweile wie aus einem
anderen Erdzeitalter anmutende, doppelhalsigen Gitarre umhängt; die
Jüngeren (wenn auch nicht mehr ganz jungen) dürfen dafür zu Hits wie
"Throwing It All Away" schwelgen oder ein bisschen ausflippen, wenn
Phil Collins mit irrem Blick noch einmal nach seiner "Mama" lechzt.
Silberchrom-Bühne. Die Bühnenshow ist im Vergleich zu den Lichtorkanen früherer
Genesis-Shows fast schon als dezent zu bezeichnen, obwohl die riesige
Silberchrom-Bühne aussieht wie ein überdimensionales Hybrid aus
Designer-Brille und Titan-Modeschmuck. Die besten Momente haben
Genesis wie eh und je ohnehin bei der Musik. Ob komplexe Rhythmen wie
in der instrumentalen "Cinema Show", zeitloser Intellektuellen-Rock
("Home By The Sea") oder eklektische Gassenhauer ("I Can't Dance",
"Invisible Touch") - Genesis haben unbestreitbar ihren eigenen Stil,
und dafür lieben sie ihre Fans immer noch.
Features
40 Jahre Genesis
Die britische Rockband Genesis wurde 1967 gegründet und war in den 1970er-Jahren eine der einflussreichsten Gruppen des Progressive Rock.
Nach dem Ausstieg von Peter Gabriel und Steve Hackett 1975 bzw. 1977 machten Genesis mit Phil Collins, Tony Banks und Mike Rutherford als Trio, das eher gefälligen Pop bot, weiter.














