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Zuletzt aktualisiert: 17.05.2007 um 14:21 Uhr

Delpy im Interview: "Mach mir meinen Film"

Julie Delpy ist so schön, dass es weh tut. 22 Jahre lang drehte sie Film um Film, mit Godard, Schlöndorff und Saura. Jetzt, mit 36, macht sie ihren eigenen Film.

Julie Delpy

Foto © APJulie Delpy

Endlich ein eigener Film mit Regie, Drehbuch, Produktion, Hauptrolle, Musik, Schnitt. Ein besonderes Anliegen?
JULIE DELPY: Ja. Denn ich habe schon mit 16 mein erstes Drehbuch geschrieben, es folgten tonnenweise Manuskripte, aber erst mit 36 gab man mir das nötige Geld. Lange Zeit habe ich es in Amerika, meiner zweiten Heimat neben Paris, und in Europa probiert - vergeblich. Ob die alle Angst haben, dass Frauen nur Flops inszenieren? Für "2 Tage in Paris" musste ich schwindeln. Ich habe das Ganze als romantische Komödie verkauft. Die politisch unkorrekten Elemente habe ich erst später hinzugefügt.

Woher dieses Füllhorn an komischen Ideen?
DELPY: Wo immer ich bin, achte ich auf abstruse Situationen. Ich denke auch immer in lustigen Dimensionen. Und wenn ich mich hinsetze, fließt das einfach aus der Hand. Die härteste Arbeit ist das Timing, das Tempo. Das passiert im Schneidreaum.

Im Film führen Sie Ihren amerikanischen Freund Jack durch Paris. Ein Horrortrip?
DELPY: Die zwei streiten, aber ich finde Streit gut, wenn er mit Sex endet.

Ihre Heimatstadt Paris wird nicht unbedingt als "Stadt der Liebe" porträtiert?
DELPY: Weil das ein Klischee ist, eine Touristenlüge. Paris ist in meinen Augen eher rau und ruppig. Ich glaube, dass es überhaupt keinen "Ort der Liebe" gibt, denn Liebe ist eine Haltung, keine Stadt.

Ihre echten Eltern, Marie Pillet und Albert Delpy, wirken auch mit. Sind Sie privat genauso anarchistisch wie im Film?
DELPY: Und ob! Obwohl es umgekehrt ausschaut: Meine Mutter ist noch verrückter als mein Vater. Und der ist arg genug.

Und Sie?
DELPY: Ich bin das Gegenteil meiner Film-Marion. Ich vögle keineswegs in der Gegend herum. Aber ein Film über mich und meine wirkliche Beziehung wäre langweilig gewesen.

Ihr Freund Jack, gespielt von Adam Goldberg, wird im Film zusehends neurotischer?
DELPY: Sind nicht alle Männer neurotisch? Doch ich habe Verständnis für sie. Männer haben immer Angst, betrogen zu werden. Männer wissen nicht, ob ihre Kinder wirklich ihre Kinder sind.

Kennen Sie Haneke ?
DELPY: Ich liebe seine Arbeit. Aber weil er mir nichts anbietet, muss ich wohl weiterhin meine eigenen Filme machen.

Könnte es nach "Before Sunrise" und "Before Sunset" noch einen dritten Film mit Ethan Hawke und Richard Linklater geben?
DELPY: Ethan und ich habe schon darüber geredet. Also: Wenn wir die richtige Story finden und uns nicht verkrampfen . . . Der Film würde dann in New York spielen.

INTERVIEW:LUDWIG HEINRICH

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