Musikkritiker warnt vor russischer "Übermacht" bei Song Contest
Da macht sich der russische Musikkritiker Artemi Troizki zumindest in Russland keine Freunde: Seiner Meinung nach folge die Abstimmung nur dem Prinzip "für Nachbarn und Freunde" und habe nichts mit der Qualität der Beiträge zu tun.

Foto © ReutersRussland ist der große Gewinner 2008 - Timbaland produzierte den Song
Nach dem Grand-Prix-Sieg des russischen Popstars Dima Bilan (26) hat der Moskauer Musikkritiker Artemi Troizki vor einer "Übermacht" Russlands beim Eurovision Song Contest gewarnt. Die Abstimmung folge nur dem Prinzip "für Nachbarn und Freunde" und habe nichts mit der Qualität der Beiträge zu tun, sagte der Experte der staatlichen Agentur RIA Nowosti am Montag. Im Grunde habe Russland ein "Sperrpaket" und sei wegen seiner Lage im Vergleich zu anderen Ländern privilegiert. Troizki hatte sich bereits kurz nach Bilans Sieg in einer Fernseh-Talkshow kritisch geäußert - das russische Publikum forderte daraufhin seinen Rausschmiss aus der Sendung.
Fakten
Nach Medienberichten hatte Russland mehr als zehn Millionen US-Dollar (über sechs Millionen Euro) inves-
tiert, um den Sieg nach Moskau zu holen.
"Geopolitischer Sportwettbewerb".
"Alle wissen gut, dass die Abstimmung mit dem Niveau des
Musikstoffs nichts zu tun hat. Höchstens spielt der visuelle Aspekt
eine Rolle. Dies ist eher ein geopolitischer Sportwettbewerb mit
einem musikalischen Touch", sagte der Kritiker in einem Interview mit
RIA Nowosti. Es gebe inzwischen zehn Länder, die Russland automatisch
einen Platz im Spitzentrio gäben. Auch aus Israel, wo viele
russischstämmige Juden leben, kämen traditionell hohe Bewertungen.
Problem für die Veranstalter.
Bilans Song "Believe" erhielt am Samstag in Belgrad ungeachtet der
politischen Verstimmungen unter einigen der früheren Sowjetrepubliken
sogar aus Estland, der Ukraine und Georgien hohe Punktzahlen, weil
dort viele Russen leben oder die nachbarschaftlichen Verbindungen eng
sind. Die Tatsache, dass Vertreter der slawischen Länder bei Europas
größtem Musikwettbewerb in den vergangenen Jahren Top-Plätze
erreichten, werde langsam zu einem großen Problem für die
Veranstalter, sagte Troizki.

















