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    Zuletzt aktualisiert: 01.11.2013 um 20:30 UhrKommentare

    Grandios gesungener Opernthriller

    Eine Lady zum Fürchten, jede Menge Nervenkitzel und fabelhafte Sänger: "Macbeth" von Giuseppe Verdi ließ das Publikum im Stadttheater Klagenfurt uneingeschränkt jubeln.

    Da sag noch einer, Oper sei nicht spannend. Schon Shakespeares Story von "Macbeth" und Giuseppe Verdis Musik haben Thrilleratmosphäre aufzuweisen. Szenisch und musikalisch spannungsgeladen ist die Geschichte von der machtgierigen Lady Macbeth, die ihren ebenso nach Macht strebenden Mann in einen blutigen Reigen von Mord und Intrigen treibt, am Stadttheater umgesetzt.

    Einiges an Nervenkitzel gab es auch vorweg: Bei der Generalprobe konnte der Titelheld wegen einer Verkühlung nicht singen. Am Nachmittag des Premierentages wusste man immer noch nicht, ob Maksim Aniskin auftreten könne. Aber dann steht der junge Russe doch auf der Bühne und singt. Und wie: Mit einem in allen Lagen unverbrauchten, kernigen, ausgesprochen schönen Bariton. Ihm zur Seite steht eine Lady Macbeth zum Fürchten: Tatiana Melnychenko singt mit enormer Präsenz und Mimik mit einer Riesenstimme von hochdramatisch bis innig, vor allem in der Nachtwandlerszene. Auch sonst sind die Sänger fabelhaft: Der Debütant Evgeny Stavinskiy ist ein Banquo mit einem selten so schön und kultiviert gehörten Bass. Merunas Vitulskis singt den Macduff, in der Tiefe etwas gewöhnungsbedürftig, in der Mittellage und Höhe mit wunderbarem Tenor. Von den kleineren Partien, die aus dem hauseigenen Ensemble besetzt sind, ragen Golda Schultz (Kammerfrau), Patrick Vogel (Malcolm) und David Steffens (Arzt in Freuds Maske) heraus. Der Chor des Hauses (Einstudierung: Günter Wallner) versteht es stimmgewaltig und feurig zu singen.

    Spannendes hört man auch aus dem Orchestergraben. Man spielt, wie heute üblich, die zweite Fassung des Werks (1865 Paris). Neben gewaltigen Ausbrüchen, nur selten an der Obergrenze des Phonpegels, und mitreißenden Steigerungen versteht sich das Kärntner Sinfonieorchester unter dem energischen Alexander Soddy auf subtilen Feinschliff. Der Chefdirigent hat wieder einmal glänzende Arbeit geleistet.

    Spannend, gruselig und geheimnisvoll stellt Cesare Lievi die irreale Welt der Hexen der realen Welt der Menschen gegenüber. Erstere zeigt er teils hinter einem Schleier mit knorrigem Baum, Nebel, Hexenkessel, aufgehängten Leichen. Lievi spielt auch mit Symbolen, etwa mit einem Kreuz, das von der Lady als Satanskreuz verkehrt in den Boden gesteckt, zu brennen beginnt. Oder mit der ständig präsenten Wiege, den Kinderwunsch der Lady repräsentierend.

    Trotz sparsamster Personenführung, die viele statische Arrangements aufweist, und zum Teil etwas holpriger Szenenübergänge entstehen auf der ästhetischen Bühne (Josef Frommwieser) in Grautönen, mit pastellfarbenen Kostümen (Marina Luxardo) und durch suggestive Beleuchtung einnehmend atmosphärische Bilder.

    Und das Publikum, darunter Schauspielerin Andrea Jonasson und Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger, jubelte!

    HELMUT CHRISTIAN

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