"Ich stehe zur Verfügung": Feines Plauder-Buch von Peter Simonischek
Die Buchpräsentation findet am Mittwoxh im Kasino am Schwarzenbergerplatz statt.

Foto © ReutersSimonischek mit Gattin
"Ich bin ein Sucher, kein Macher", sagt Peter
Simonischek. Wer diese Selbsteinschätzung des Burgschauspielers in
dem bei Amalthea erschienenen Buch "Ich stehe zur Verfügung" auf
Seite 158 liest, weiß zu diesem Zeitpunkt auch längst, das der
60-jährige Grazer ein sympathischer Erzähler und kein Dampfplauderer
ist. Der Publizist und Kritiker Andres Müry liefert in dem
Gesprächsbuch die richtigen Zwischenfragen und wird auch bei der
Buchpräsentation am Mittwoch (24.1., 20 Uhr) im Burg-Kasino am
Schwarzenbergplatz den Stichwortgeber spielen.
Darstellung.
Dass seine Darstellung als jemand, der nicht durch Intuition,
sondern durch harte Probenarbeit zu seinen Figuren findet, nicht bloß
eitles "fishing for compliments" ist, belegt Simonischek durch ein
für den Leser wunderbares, für Simonischek wohl quälendes Beispiel
aus der Salzburger Festspiel-Produktion des "Torquato Tasso" 1982,
als er das erste Mal mit Dieter Dorn und dessen eingespieltem
Münchner Kammerspiel-Ensemble arbeitete: "Das ganze war ein großes
Missverständnis. Man wartete auf brauchbare Angebote, und ich
wartete, dass man probt, dass man gemeinsam sucht und findet.
Schließlich wurde dann auch mit mir geprobt, aber ich merkte,
eigentlich war es nicht vorgesehen. Es war wie Nachsitzen in der
Schule."
Offenheit.
Immer wieder erstaunt die Offenheit, mit der der Schauspieler über
sein Leben und seinen Beruf spricht. So erfährt man etwa, dass er
sich bereits bei Peter Stein vergeblich um den Salzburger "Jedermann"
beworben hatte und Stein, der Simonischek immerhin über viele
gemeinsame Schaubühnen-Jahre verbunden war, ihn zynisch abblitzen
ließ. Aber auch, dass er seine speziell durch diese gewonnene
Popularität ("Brandauer hat mich ja gewarnt: 'Als Jedermann bist du
der Faschingsprinz von Salzburg'") durchaus genießt, gibt er
freimütig zu.
Anekdoten.
Man liest schmunzelnd, dass sich Burgtheater-Direktor Klaus
Bachler bei seinem neu angeworbenen Ensemblemitglied darüber
beklagte, "ich spräche von der Schaubühne im Vergleich zum
Burgtheater immer als vom verlorengegangenen Paradies", und amüsiert
sich über Anekdoten zu Dreharbeiten mit Axel Corti (der mit allen
Mitteln eine Szene mit einem schreienden Baby in den Kasten bekommen
wollte) oder über den real erlebten Alptraum einer vergessenen
Vorstellung. Doch in der gleichen Offenheit erzählt Simonischek auch
darüber, wie er vor vier Jahren seinen Vater nach dessen Selbstmord
aufgefunden hat. Plötzlich verliert auch der Leser für einen
Augenblick den Boden unter den Füßen.
Erinnerungsband.
"Ich stehe zur Verfügung" ist ein Buch, in dem Vieles, dem auch in
anderen Erinnerungsbänden von Schauspielern Platz gegeben wird, auf
ganz neue und ungleich freimütigere Weise erzählt wird. Dadurch wird
das Buch auch für Nicht-Theater-Freaks zur unterhaltsamen Lektüre.
Und die Bühnenfans werden sich gewiss über die vielen
Aufführungsfotos, ein komplettes Rollenverzeichnis und eine
beigelegte CD mit einer Schnitzler-Lesung freuen.















