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    Zuletzt aktualisiert: 23.12.2012 um 09:38 UhrKommentare

    August Schmölzer: "Hinschauen auf den Nächsten"

    Schauspieler August Schmölzer über Weihnachten, Herzensbildung, die Sehnsucht nach Geliebtwerden, seine Initiative "Gustl58" und aufgeklärten Egoismus.

    August Schmölzer

    Foto © Maria KanizajAugust Schmölzer

    Das Wort, das für Sie Lebensmotto ist, lautet "Herzensbildung". Was genau verstehen Sie darunter?

    AUGUST SCHMÖLZER: Man findet dieses Wort in "Mein Kampf" vom Herrn Hitler genauso wie in der Ersten Enzyklika von Papst Benedikt. Dieses Wort wurde also immer ausgenutzt. Was mich betrifft, bedeutet Herzensbildung Handschlagqualität, Mitmenschlichkeit, Mitgefühl, Toleranz. Alles, was zwischenmenschlich möglich ist und den Menschen guttut, firmiert für mich unter dem Begriff Herzensbildung. Das kann auch ein einfaches Sichanlächeln sein.

    Wann ist Ihnen der letzte Mensch begegnet, der Sie freundlich angelächelt hat?

    SCHMÖLZER: Gerade vorhin. Ein altes Mutterl mit einem Einkaufswagerl hat mich angelächelt und "Servus" gesagt.

    Der Weihnachts-Countdown läuft auf seinen Höhepunkt zu, morgen ist Heiliger Abend. Einerseits sind die Menschen hektisch und aggressiv, andererseits sehnen sie sich nach Ruhe und Geborgenheit. Glauben Sie, dass eben diese emotionale Kluft den Menschen so zu schaffen macht?

    SCHMÖLZER: Ich glaube tatsächlich, dass diese Widersprüchlichkeit viel mit unserer Unruhe zu tun hat. Ich persönlich ziehe mich am Heiligen Abend zurück. Ich besuche meine Mutter, mache einen langen Spaziergang, dann gehe ich mit vielen Kerzen auf den Friedhof und besuche die Gräber von Freunden und das Grab meines Vaters. Am Abend höre ich viel Musik, heuer wahrscheinlich Händel. Dann gönne ich mir ein gutes Essen, eine gute Flasche Wein - und gebe Ruhe! Was mir zum Beispiel maßlos auf die Nerven geht: die vielen Lichter am Land, die Weihnachtsbeleuchtungen. Am Liebsten würde ich hingehen und den Strom abzwicken. Und erst diese unseligen Weihnachtsmänner, die an den Hauswänden stranguliert werden. Das ist ekelhaft.

    Haben Weihnachtsmänner & Co. nicht etwas mit unserer Globalisierung zu tun?

    SCHMÖLZER: Nein. Ich habe eher das Gefühl, je einsamer wir werden und je kälter in unseren Herzen, umso mehr Lichterln hängen wir auf. Die Sehnsucht nach Helligkeit und Wärme ist ja da. Wir spüren ja, dass wir oft einsam sind, wissen aber nicht, wie wir das ändern können. Also hängen wir Lichterketten auf. Das ist das Einfachste. Aber die eigentliche Frage ist: Wie komme ich wieder in Kontakt mit meinem Herzen?

    Wie denn?

    SCHMÖLZER: Sie müssen sich das bildlich so vorstellen: In einer Grube ganz unten liegt das Herz - und darauf unser schwerer Lebensrucksack. In diesem Rucksack befinden sich falsch gelaufene Erziehung, falsch gelaufene Familienentwicklung, dann kommt der Kindergarten, dann kommt die Schule, dann der Beruf, das Leben, Schicksalsschläge. Alles, was uns halt begegnet. Das liegt alles auf dem Herzen drauf. Und dann verlangt man von uns, dass wir mit diesem ganzen Schamott, der auf uns lastet, ruhig und ausgeglichen sein sollen. Das geht aber nicht, weil das Herz, das für diese Ruhe und Ausgeglichenheit zuständig ist, unten in der Grube liegt und total zerdrückt wird. Also ist die Frage: Wie kann man diesen ganzen Schamott wegräumen?

    Wie kann man?

    SCHMÖLZER: Ich habe keine einfache Lösung dafür, weil das jeder für sich selbst angehen muss. Ich kann nur erzählen, wie ich es versucht habe. Ich habe sehr früh damit begonnen, die Welt zu verändern, hab aber bald gemerkt, dass das nicht geht. Ich kann nur mich selbst verändern. Bei mir hat es damit begonnen, dass ich viele Fragen gestellt habe: Wie war meine Kindheit, was hat mich geprägt, was sind meine Muster? Was ich immer in mir hatte, war eine Riesensehnsucht nach Geliebtwerden. Meine Ex-Frau hat einmal gesagt zu mir: "Du bist an Liebe nicht satt geworden." Und als sie mir das gesagt hat, habe ich gespürt, wie es in mir einen Brenner macht. Ehrlich nachfragen, nicht beschuldigen, ist ein ganz wichtiges Werkzeug, um wieder Kontakt mit seinem Herzen aufzunehmen.

    Das Herz steht für Gefühle. Aber mit unseren Gefühlen tun wir uns ja recht schwer.

    SCHMÖLZER: Ja. Weil wir es nicht gelernt haben, unsere Gefühle zu artikulieren und zu zeigen. Es fällt uns zum Beispiel sehr schwer zu sagen: "Du, ich komme mit meinen Trümmern nicht mehr zusammen." Da steht man gleich als Loser, als Verlierer, da. Auch am Land ist das so. Und dann hört man, dass sich der XY aufgehängt hat und fragt sich: Um Gottes Willen, warum der? Was wäre gewesen, wenn dieser XY zu seiner Frau, seinen Freunden gesagt hätte: ,Du, ich weiß einfach nicht mehr weiter. Wie würdest du mit diesem Problem umgehen?' Das Zeigen von Gefühlen hat auch etwas mit dem Verstand zu tun. "Sapere aude", Kant: "Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!"

    Sie haben vor Jahren schon die Initiative "Gustl58" ins Leben gerufen und helfen Menschen, denen es körperlich, geistig, gesellschaftlich oder finanziell nicht so gut geht. Sie bezeichnen sich aber nicht als Altruist, sondern als aufgeklärter Egoist. Warum das?

    SCHMÖLZER: Diesen Begriff hat der Bernd Schilcher für mich geprägt. Altruisten sind mir sehr, sehr verdächtig. Wenn ich einen Altruisten den ganzen Tag unbemerkt mit der Kamera verfolgen würde, bin ich mir sicher, dass auch bei ihm ab und zu der Schweinehund rausbeißt. Der aufgeklärte Egoismus ist auch eine Form der Versicherung. Ich habe die Möglichkeit, etwas zu tun. Man hört mir zu, man findet gewisse Dinge, die ich mache, gut. Ich tue diese Dinge einerseits, weil ich viel Glück gehabt habe und etwas zurückgeben möchte. Ich tue diese Dinge aber auch, weil ich die Hoffnung habe, dass man mir, wenn ich einmal alt und krank bin, auch hilft. Und am meisten hilft man mir, wenn man mich akzeptiert und so sein lässt, wie ich bin. Ich halte das weitaus ehrlicher, als Ihnen hier jetzt die uneingeschränkte Liebe zu den Menschen zu verkünden. Ich liebe die Frauen, aber die gesamte Menschheit sicher nicht.

    Kann man die Philosophie von "Gustl58" so zusammenfassen: Schauen, wie es dem Menschen neben mir geht und ihm geben, was ihm möglicherweise fehlt.

    SCHMÖLZER: Ganz konkret kann das so laufen: Ich sehe jemanden, dem es gesundheitlich nicht gut geht. Ich greife zum Handy, rufe einen befreundeten Arzt an und mache einen Termin aus.

    Das bedingt ein Hinschauen auf meinen Nächsten.

    SCHMÖLZER: Ein Hinschauen und ein Hinspüren. Es geht um dieses Ermessen können. Ermessen können, wie es dem Anderen geht. Wenn ich offen durch die Straßen gehe - was ich als Schauspieler ja auch muss, weil es mein Reservoir und Jagdgebiet ist -, kann ich gewisse Dinge einfach nicht übersehen.

    Mit der Kritik an den Zuständen der Gegenwart geht oft eine Verklärung der Vergangenheit einher. Früher war alles besser. . .

    SCHMÖLZER: Es ist natürlich ein Blödsinn, dass früher alles besser war. Wir brauchen auch keine neuen Werte. Wir müssen nur Werte wie Ehrlichkeit, Treue, Toleranz und Mitgefühl wieder in unser Leben holen.

    INTERVIEW:

    BERND MELICHAR


    August Schmölzer

    August Schmölzer, geboren am 27. Juni 1958 in St. Stefan ob Stainz, ist Schauspieler und Schriftsteller. Nach seinem Debüt in Heilbronn wurde er an das Theater in der Josefstadt engagiert, unter Otto Schenk spielte er zahlreiche Hauptrollen. Filme u.a.: "Schindlers Liste", "Nacktschnecken", "Der Untergang", "Der Chinese", "Ludwig II."

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