Hundstage in der Grazer Oper
Schäfer-Stündchen. Die Oper sucht den nächsten Hunde-Star. Bedingung für den Auftritt: Aussehen wie Kommissar Rex, Benehmen wie Lassie.

Foto © J.J.KUCEKUschi Plautz mit einem Castingteilnehmer, der sein Glück mit Hundeblick probiert
Ehrlich währt am längsten. Deswegen wird auch jene Konk(n)urrenz, die man im wahrsten Sinne des Wortes so gar nicht riechen kann, ordentlich verbellt. Maulkorb hin oder her. Meinungsfreiheit muss auch an kurzer Leine erlaubt sein.
Hunde-Casting in der Grazer Oper bedeutet, dass das "Hunde müssen draußen bleiben"-Schild vorne am Eingang für die nächste Zeit seine Gültigkeit verlieren wird. Für das Stück "L'elisir d'amore" (Der Liebestrank) rund um die Irrungen und Wirrungen der Liebe, das Mitte November Premiere feiert (siehe Infokasten rechts), suchte man diese Woche einen Hund, der am besten aussieht wie Kommissar Rex, aber so folgsam ist wie Lassie. Heißt: Nix mit Wurstsemmelklauen und Gangsterjagd auf eigene Faust. Das Aufgabengebiet umfasst schon eher brav an der Leine mit Statisten Michael Wicher über die Bühne marschieren und Platz nehmen. Hat der vierbeinige Kollege doch erst gegen Ende des Stücks seinen großen Auftritt, wenn sich rund 80 Personen auf der Bühne befinden. Nicht zu vergessen: das Orchester. Kurz: Gesucht wird ein Hund mit Nerven aus Drahtseilen. Ein Leinen-Star statt Leinwand-Star. Hund, James Hund.
Schäfer-Stündchen
Acht Hunde - großteils Schäfer wegen der Polizeihunde-Ähnlichkeit - samt Frauerl und Herrl stellen sich der Herausforderung, nachdem man brav in Zweierreihen in die Probebühne marschiert ist. Alle Vierbeiner werden kritisch beäugt. Bei diesem Casting zählen nicht nur die inneren Werte und gutes Benehmen, auch die Optik muss passen. Es folgt die Probe aufs Exempel: Geht der zukünftige Hunde-Star auch wirklich bei einem Fremden brav an der Leine oder bringt ihn der Fremde am Ende der Leine aus dem Konzept.
Uschi Plautz von der Oper Graz: "Es ist zwar ein altes Theatergesetz, dass Kinder und Tiere den anderen Darstellern die Show stehlen, aber bei manchen Stücken gehören die Tiere einfach dazu. Sie sind unberechenbar und das macht's auch schon wieder lustig."
Spontan
Das war's auch, als Aaron, der 2010 in Mozarts "Figaro" den Jagdhund des Grafen gespielt hat, einfach von der Bühne marschiert ist, weil's ihm zu langweilig wurde. Einziges Problem: Das Stück war noch lange nicht aus. Zurück zum laufenden Casting. In der ersten Runde konnten sich vier Paare durchsetzen, für den Rest würde es bei Heidi Klum nun lauten: "Ich habe heute leider kein Foto für dich." Bei den Finalisten kann man eines schon jetzt sagen, die großen Namen haben sie bereits: Bella von der Wolfshölle, Ciano vom Raunjakhof, Maex und Benny. Mit i oder y am Schluss? Herrchen Heinz Rom: "Egal, für ihn klingt's so und so gleich." Aha, von Starallüren also keine Spur.
Die vier Finalisten und ihre Besitzer müssen sich nun viel Zeit nehmen, bis Juni 2013 gibt's 17 Vorstellungen. Deswegen werden bei der nächsten Probe auch zwei Hunde von den vier Finalisten für die Rolle ausgewählt. Die traurige Wahrheit lautet: Nicht einmal Kommissar Rex ist einzigartig. Daheim ist aber sicher jeder von ihnen der Hauptdarsteller.
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Zum Thema
L?ELISIR D?AMORE
Das Stück feiert am Samstag, 17. November, um 19.30 Uhr Premiere in der Grazer Oper.
Weitere Vorstellungen: 21. November, 28. November, 1. Dezember, 6. Dezember, . . .
Karten sind an der Theaterkasse am Kaiser-Josef-Platz 10, 8010 Graz erhältlich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr. Samstag 9 bis 13 Uhr. Tel. (0 316) 8000.
Informationen gibt's auch im Internet unter:
www.oper-graz.com















