"Die Zeichnung steckt im Papier"
Roman Scheidl ist in westlicher und östlicher Kunst und Kultur verwurzelt. Mehrere Ausstellungen zeigen Früchte intensiver Feldarbeit.

Foto © Titz
Roman Scheidl malt, zeichnet, schreibt. Seine jüngste bibliophile Publikation "63 PinselSprüche" enthält neben luftigen Pinselzeichnungen Texte von aphoristischer Kürze. Texte, die dem Malen und Zeichnen gewidmet sind und den pointierten Autor zeigen. Beispiel 1: "Man kann ein Bild nicht beenden. Es gibt nur einen Punkt der äußersten Lebendigkeit und Frische, an dem man anhalten muss. Ist dieser Punkt überschritten, kann er nicht mehr zurückgenommen werden." Beispiel 2: "Man muss die Mitte einer Idee finden, um sie festhalten zu können." Und weil aller guten Dinge drei sind: "Papier kann als Stimulanz wirken, daher steckt in manchen Papieren bereits die Zeichnung."
Grenzgang
Was der 1949 in Niederösterreich geborene Künstler in der Praxis damit meint, führt er derzeit gleich in vier Ausstellungen vor. "Eleganz + Emotion" ist Titel einer Personale in der Salzburger Galerie Welz. Ölgemälde und Tuschezeichnungen belegen zwischen Sparsamkeit und Opulenz den im ersten Zitat angesprochenen Grenzgang. Und zeigen Scheidl als einen, der in westlicher wie östlicher Kunst- und Kulturgeschichte verwurzelt ist.
Das Naheverhältnis zu Japan wird unter anderem im Zyklus "100 Ansichten des Berges Fuji" anschaulich, einer Reaktion in Schwarzweiß auf die berühmten Farbholzschnitte Hokusais. Beide Werkkomplexe sind Teil der Schau "Japan. Die Fragilität des Daseins" im Leopold Museum.
"Sechs in einem Buch" zeigt die Klagenfurter Galerie 3. Ihr Gegenstand, besser: ihre Gegenstände sind jene Bücher, die Scheidl seit geraumer Zeit mit Künstlerfreunden (Martin Adel, Wolfgang Buchta, Markus Kircher, Felix Waske, Turi Werkner) gemeinsam gestaltet. Nach dem Prinzip des Staffellaufs kursieren gleichzeitig mehrere Leporello. Das Resultat sind kreative Panoramen, lustvolle Bildgeschichten, fantastische Befunde einer Welt, in der Realität und Traum, das Banale und das Erhabene, Witz und Wut auf kleinstem Raum sich manifestieren.
Vergleiche
Nicht mehr und nicht weniger als "Die Welt des Roman Scheidl" öffnet sich schließlich in der Grazer Galerie Schafschetzy. In einer Präsentation, welche die Überprüfung des PinselSpruchs 19 ermöglicht: "Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden zu betrachten, lässt Vergleiche zu, die im Gedächtnis nicht durchführbar sind."
Features
AUSSTELLUNGEN
Die Welt des Roman Scheidl. Galerie Schafschetzy, Graz, Färbergasse 2. Eröffnung: Samstag, 11 Uhr. Ausstellung bis 31. Dezember. www.galerie- schafschetzy.com Japan. Die Fragilität des Daseins. Bis 4. Februar 2013. Leopold Museum, Wien. leopoldmuseum.org Eleganz + Emotion. Bis 24. November. Galerie Welz, Salzburg. www.galerie-welz.at Sechs in einem Buch. Bis 10. November. Galerie 3, Klagenfurt. www.galerie3.com www.romanscheidl.at















