Fast wie ein Abschied
Udo Jürgens (78) füllte zum zweiten Mal in diesem Jahr die Grazer Stadthalle. Auch für den großen Künstler selbst war es ein bewegender Abend.
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Da mag gleich zu Beginn des Konzerts der Sessel eines Blasmusikers zusammenbrechen, der Meister selbst bei ein, zwei Strophen kurz textunsicher sein - und dennoch will man von einem perfekten Abend in der mit 5500 Fans ausverkauften Grazer Stadthalle sprechen.
Die Schaffenskraft von Udo Jürgens sucht eben ihresgleichen, nicht nur im deutschsprachigen Raum. Der 78-Jährige kann es sich erlauben, im ersten Teil keinen Hit aus den 60ern, 70ern oder 80ern anzuspielen. Er stellt sein aktuelles Album "Der ganz normale Wahnsinn" in den Mittelpunkt, das in seiner Bandbreite spannend ist und schon zur Pause für Standing Ovations sorgt. Gut: Ein Lied wie "Die Frau, die ich nie traf" rutscht als Altherrenfantasie in den tiefen Schlager ("Wär'n wir uns je begegnet, wir hätten ewig uns geliebt!"), aber Auswüchse unserer Zeit - von Facebook bis zum Chillen - beleuchtet er kritisch und augenzwinkernd wie ein junger Liedermacher ("Du bist durchschaut" und "Alles ist so easy"). Berührend: "Am Ufer", das fast wie ein Abschiedschanson klingt.
Für Sentimentalitäten war ohnedies viel Platz. Wird er doch schon seit 36 Jahren vom Pepe Lienhard Orchester begleitet, das anfangs "nur" eine sechsköpfige Band war, und durch seine großartigen Solisten, ob am Flügelhorn, an der Violine oder am Cello, zu vielen Höhepunkten beiträgt. Dann saß auch noch sein Bruder, der Maler Manfred Bockelmann, im Publikum, für den er 1977 ein Lied schrieb.
Nach dem Konzert
Ausklingen ließ Udo Jürgens den Abend im Theatercafé, eben mit seinem Bruder und Filmproduzent Klaus Graf ("Der Mann mit dem Fagott"). Genächtigt wurde diesmal im Schloßberghotel, ehe es nach Wien ging, wo gestern Abend knapp 10.000 Besucher die Stadthalle füllten, darunter Bundeskanzler Werner Faymann, mit dem sich der große Künstler auch backstage traf.
Fazit: Vor Udo muss man den Hut ziehen.
















