Vom Grünen Haus zum Universum
"Universum" feiert sein 25-jähriges Bestehen. Ein paar persönliche Anmerkungen eines dereinst täglich werkenden TV-Kritikers der Kleinen Zeitung zur Sendungs-Geschichte.

Foto © APAAuch Steinadler wirken in der heutigen Jubiläumssendung mit
Mitte der sechziger Jahre hatte endlich auch in unserem Wohnzimmer ein Fernsehgerät Einlass gefunden. Es spendete uns schwarz-weiße Bilder, Kasperltheater, Operetten, Heimatfilme, US-Serien etc. Letztere boten immerhin den Hund Lassie und den Hengst Fury als Hauptdarsteller.
Auch in den Siebzigern blieb die televisionäre Fauna auf ein Minimum beschränkt. Darunter die Dokumentation "Das Grüne Haus", ein Film über den Jahreslauf in der sibirischen Taiga, der im ORF gefühlte fünfzehn Ausstrahlungen fand, von denen ich garantierte vierzehn gesehen habe.
Und dann, Mitte der achtziger Jahre ein Wunder: "Die Erde lebt", eine Serie von David Attenborough, die nur ihrem Titel nach an den Disney-Naturklamauk "Die Wüste lebt" erinnerte. Sie war eine Offenbarung für Menschen wie mich. Ich klebte zwölf Abende lang vor dem Fernseher. Oder sollte man sagen: Nächte. Denn der Sendetermin war gegen 22 Uhr angesetzt.
Bombenerfolg
Als damals täglicher TV-Kolumnist der Kleinen Zeitung nahm ich mehrfach die Gelegenheit wahr, diese - aus meiner Sicht - groteske Programmverschwendung zu geißeln. Und war damit nicht allein: Gerhart Pistor, versierter Medienjournalist im "Kurier" und ebenfalls auf den Spuren der Natur schon weit gereist, war von Anbeginn ähnlicher Meinung und tat dies mehrfach kund. Vielleicht etwas höflicher als ich in meinem damals noch halbwegs jugendlichen Überschwang, aber in gebotener Deutlichkeit.
Dann geschah das zweite Wunder. Die damalige ORF-Direktion ordnete an, mit etwas Abstand zur Erstausstrahlung, "Die Erde lebt" im Hauptabendprogramm zu wiederholen. Eine bis dahin (und auch seither) unübliche Vorgangsweise. Sie wurde zum Bombenerfolg und es folgte der Auftrag, regelmäßig solche Naturfilme einzusetzen und sie unter einem Übertitel zu bündeln. Am 29. September 1987 ging das erste "Universum" on air. Sinniger Titel: "Die ersten Paradiese".
Diese Zeit ist untrennbar mit dem damaligen Ressortchef Alfred Payrleitner und seinem genialen Redakteur Walter Köhler verbunden. Beide sind nicht mehr im Unternehmen, die Universum-Direktion ist mit Andrew Solomon, einem international erfahrenen Journalisten, hochrangig nachbesetzt worden.
Nach anfänglicher Dominanz von zugekauftem Material entwickelte sich auch in Österreich eine stattliche Naturfilmszene. Sie zählt Regie-Namen wie Kurt Mündl, Alfred Vendl, Manfred Christ, Klaus Feichtenberger, Georg Riha, Rita und Michael Schlamberger und viele andere. Einzelne Filme gewannen Emmys, Panda Awards, Romys, Gold Cameras etc.
Erfreulich ist auch dabei die gelungene Balance zwischen solidem Handwerk und filmischen Hochseilakten bis zum Gehtnichtmehr. Auch wenn man heute eventuell eine Magenspiegelung bei Mikroben technisch herzeigen oder Tigern eine Rachenkamera verpassen könnte, bleiben Landschaften und das Tier in freier Wildbahn zentrales Objekt von Solomons Begehren: "Die allerschönsten Bilder der Welt" sieht er weiterhin als Kernkompetenz seines "Universums".
Diese Bilder müssen nicht unbedingt aus Kodiak oder Tansania kommen. "Universum" trägt: Alpen und Adria, Engadin und Ennstal, Bodensee und Balkan sind ebenso Thema.
History
Rund 360 Eigenproduktionen hat es bisher gegeben, zwölf sind derzeit in Arbeit. Darunter auch die eines Universum-Novizen: Julian Pölsler ("Geliebte Anna, geliebter Johann") fertigt soeben eine Doku über den "Die Schöne und das Biest"-Mythos, der historische Wurzeln im Frankreich des 16. Jahrhunderts hat.
Das 1998 eingeführte Donnerstag-Universum wird demnächst gestrichen und dafür am späteren Freitagabend eine History-Serie angeboten. Ob das eine gute Idee ist, müssen die Seher entscheiden, Pölslers Debüt passt dort jedenfalls auch hin.















