Im sprachlichen Ausnahmezustand
Sie ist, im positivsten Sinn, eine notorische Vielschreiberin, trittsicher unterwegs auf zahlreichen stilistischen Ebenen. Und so lässt die steirische Autorin Margit Kuchler D'Aiello ihrem "Porträt eines Balkonsitzers", das eher durch Melancholie und Beschaulichkeit geprägt ist, mit "Ein Mundwerk für Nellja" ein Buch der Unruhe und inneren Verstörung folgen.
Der Protagonist, ein durchaus distinguierter Amtsrat, der sich seiner Pensionierung nähert, hält Rückschau auf sein Leben, das vor allem durch ein Manko geprägt ist: Er ist ein wortkarger emotionaler Legastheniker, ausgestattet mit der fatalen Fähigkeit, zur falschen Zeit das falsche Wort zu finden. Daran scheitert vor allem die Beziehung zu Nellja, weil, notgedrungen, auch die Liebe relativ rasch unerwidert bleibt. Jetzt, immerhin, spricht die Vergangenheit vielstimmig zu ihm.
Eine Milieustudie über den sprachlichen Ausnahmezustand; eine Lebensbilanz, reich an halben Sätzen, die zwangsläufig nie zu einem größeren Ganzen führen konnten. Stille Poesie mit Nachhall.















