Die Blätter fallen bunt, die Töne auch
Die Tage werden kürzer, die Bäume zuerst bunt, dann kahl: Zum Herbst gehört die passende Musik - nach einer Inventur der Plattensammlung empfahlen sich zehn Nummern für einen Soundtrack in dunklen Farben. Sebastian Krause wählte aus.

Foto © http://theeidophusikon.com”Bleak, Uncertain & Beautiful”, von Jack Hardwicke
Sea Wolf - "Old Friend"
Die Natur wird müde, wieder ein Jahr rum. Und die immer grandiosen Sea Wolf knallen einem Zeilen wie "Now we are getting older and we´re growing up" an den Kopf. Das schmerzt, wärmt aber irgendwie und die Melodie dazu fällt wie buntes Herbstlaub – bis man darin verschwunden ist.
zu finden auf: "Odd World Romance", 2012
Alt-J - "Tessellate"
Die wohl beste neue Band des Jahres mit dem Song des Jahres von der Platte des Jahres. Noch Fragen? Kann man jetzt hören, passt ins herbstliche Zwielicht. Funktioniert aber das ganze Jahr. Let´s tessellate.
zu finden auf: "An awesome Wave", 2012
A Whisper in the Noise - "Sad, sad Song"
Noch einer frontal aufs Gemüt: Engelsgleiche Stimmen, gischtumspülte Instrumentierung und eine Atmosphäre wie eine kühle Herbstbrise am offenen Meer. A Whisper in the Noise bespielen die dritte Jahreszeit nach langer Schaffenspause besser denn je.
zu finden auf: "To Forget", 2012
Flying Lotus - "Between Friends"
Eigentlich sollte hier ein Track aus dem grandiosen Album "Until the Quiet Comes" stehen – geht aber nicht. Funktioniert eben nur als Album. Daher ein One-Off, veröffentlicht als Single: "Between Friends" bedeutet Beats zum Reinlegen, warum und kuschlig. Musik, die mit ihrem Farbenspiel neugierig macht.
zu finden auf: "Between Friends", Single (digital), 2012
Cold Specks - "The Mark"
Reduziert aufs Allergrößte: Erdige Stimme, Blues und Gospel, spärlich instrumentiert. Cold Specks machten beim Debüt nur einen Fehler: Die Platte erschien im Frühling.
zu finden auf: "I predict a grateful Expulsion", 2012
Flea - "Pedestal of Infamy"
Ja, dieser Mann spielt in einer Band, die seit Jahren kaum mehr Brauchbares liefert. Dachte er sich wohl auch selbst, und macht´s auf einer kleinen EP einfach mal selbst. Und siehe da, zwischen allerlei Spinnereien liegt so manche Perle: Jazz-Bat, dazu herrlich schräges Keyboard und eine spätsommerliche Gelassenheit. Lässt die Sonne im Nebel aufgehen.
zu finden auf: "Helen Burns", EP, 2012
Strand of Oaks - "Maureen's"
Grandios untergegangenes Meisterwerk, düstere Schwere trifft auf hymnische Gitarren und schizophrene Texte - in denen John Belushis Drogendealer ermordet wird und mystische Giganten zum Bowling gehen. Kopfkino für dunkle Nachmittage.
zu finden auf: "Dark Shores", 2012
Atoms For Peace - "Default"
Klinisch saubere Beats und das kühle, distanzierte Heulen von Thom Yorke. Man möchte sich beim Hören sofort eine Jacke anziehen. Das schafft sonst niemand.
zu finden auf: "Default", Single, 2012
Elephant Micah - "Still Life Blues"
Wunderbarer Abgesang auf ein Gemälde – und natürlich doch viel mehr als das. Funktioniert als Soundtrack zum herbstlichen Farbenspiel und als wärmendes Bad für die ergraute Seele.
zu finden auf: "Echoer´s Intent", 2010
Burial - "Street Halo"
Nächtliche November-Spaziergänge oder Torkelrunden mit Burial als Soundtrack können das Bewusstsein für die Ewigkeit erweitern. Das ist keine Warnung, sondern eine Aufforderung. Rufzeichen.
zu finden auf: "Street Halo / Kindred", EP, 2012














