Mit Balsam, aber frei von Pathos
Matthias Goerne singt am Dienstag in Graz einen ganz Schubert gewidmeten Liederabend.

Foto © Marco Borggr
Seit dem Jahr 2000 Matthias Goerne Stammgast im Musikverein für Steiermark. Inzwischen ist die Stimme deutschen Nobelbaritons, den wir zum Interview vor einen konzertanten Auftritt in der Pariser Salle Pleyel als Béla Bartóks "Blaubart" erreichten, etwas dunkler geworden. Aber im Zentrum der interpretatorischen Arbeit des 47-Jährigen bleibt der Makrokosmos Schubert.
Wie geht es der von Ihnen geplanten Schubert-Edition?
MATTHIAS GOERNE: Harmonia Mundi hat fünf CDs auf dem Markt, die sechste wurde vor einigen Tagen von mir fertig geschnitten. Wechselnde Pianisten waren dabei Absicht und umfasst einen Horizont von Elisabeth Leonskaja bis Ingo Metzmacher. Zu meinen glücklichsten Partnerschaften gehören "Winterreise" und "Schwanengesang" mit Alfred Brendel.
Gibt es ein spezielles Schubert-Publikum?
GOERNE: Ja, in Wien, in Graz, in Salzburg und in Japan. Die Frage, ob Liederabende eine Zukunft haben, wird mir oft gestellt. Besonders befremdlich im deutschsprachigen Raum. Wenn es in zwanzig Jahren den Liederabend nicht mehr gibt, wie können sich neue, junge Sänger präsentieren? Ist die Entwicklung, dass die Bildungsbürger aussterben, umkehrbar?
Was haben Sie denn bei Ihren Lehrern Elisabeth Schwarzkopf und Dietrich Fischer-Dieskau Besonderes gelernt?
GOERNE: Dass der Interpret erst dort anfängt, wo Technik keine Rolle mehr spielt. Für mich stehen aber eine Belcanto-Technik, die Legato-Kultur und äußerste Pathos-Freiheit im Zentrum. Deshalb stimme ich Ihnen gerne zu, dass die Tradition des Balsamischen, wie Herbert Janssen und Gérard Souzay sie für Schubert aufboten, mir sehr nahe ist.
Features
Zur Person
Matthias Goerne, geboren 1967 in Weimar.
Studium in Leipzig, Dresden.
Operndebüt des Baritons, der heute zu den führenden Liedsängern zählt, 1997 bei den Salzburger Festspielen.














