Der Berg zieht sich effektvoll um
Der slowenische Mädchenchor "Vocal Theatre Carmina Slovenica" überzeugte in "When the mountain changed its clothing" von Heiner Goebbels durch ambitioniertes Spiel und präzisen Gesang. Eine Kritik.

Foto © Foto: Wonge Bergmann für Ruhrtriennale
40 Mädchen zwischen Kind und Frau versuchen in Klängen und Bewegungen, Umbrüche darzustellen, begreifbar zu machen, sich zu widersetzen. "When the mountain changed its clothing" nennt sich die Produktion von Heiner Goebbels, die am Freitagabend im Rahmens des "steirischen herbstes" gezeigt wurde. Der slowenische Mädchenchor "Vocal Theatre Carmina Slovenica" überzeugte dabei durch ambitioniertes Spiel und präzisen Gesang.
Nur wenige Tage nach der Uraufführung bei der Ruhrtriennale, deren Leiter Heiner Goebbels seit heuer ist, war die Aufführung in der Grazer Helmut-List-Halle zu sehen, wo sie teilweise im Frühsommer auch geprobt worden war. Die 40 Mädchen wurden bei dieser Produktion nicht mit fixen Vorgaben konfrontiert, sondern konnten die Entwicklung beeinflussen. Musik von Klassik über Pop bis zu Partisanenliedern und Musik von Heiner Goebbels bildete dabei nur das Gerüst. Mit Texten von Josef Eichendorff, Ian McEwan, Adalbert Stifter oder Gertrude Stein ließ die Gruppe eine Welt der Umbrüche entstehen, in die die politischen Veränderungen ebenso hineinspielten wie die persönliche Entwicklung.
Es entstanden Einblicke in eine kindlich-grausame Welt, zarte Töne des Erwachsenwerdens wurden ebenso hörbar wie ein Aufbegehren gegen jegliche Veränderung. Dabei agierte der Chor meist als Einheit, bildete das Gegengewicht zu einer einzelnen sprechenden Person. Auffällig war, dass die jungen Sängerinnen auch ausgesprochen gut im Chor sprechen konnten, was nicht einmal mehr auf Schauspielbühnen selbstverständlich ist. Die Bewegungen auf der fast leeren Bühne entstanden harmonisch zu den Klängen und der Sprache. Auch durch die Kostüme wurde die Entwicklung deutlich: Waren die Mädchen zunächst leger in Trainingshosen und T-Shirt gekleidet, so wurde die Kleidung sukzessive bunter, aber auch weiblicher. In einer Szene trugen sogar alle die gleiche hellblonde Pagenkopfperücke, fast wie ein Blick in eine - ungewollte? - Zukunft.
















