Die Darstellung verstörter Seelen
"La Traviata" hatte unter neuer musikalischer Leitung eine gefeierte Wiederaufnahme.
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GRAZ. Giuseppe Verdis "La Traviata" in der Inszenierung von Peter Konwitschny fand im Vorjahr so viel Zuspruch, dass die Grazer Oper sich zu einer Wiederaufnahme entschloss.
Die gespannte Erwartung richtete sich dabei auf zwei junge Künstler: Der 32-jährige Domingo Hindoyan aus Venezuela übernahm die musikalische Leitung, der 35-jährige slowakische Bariton Ales Jenis gab als Giorgio Germont sein Debüt an der Oper. Schon die Ouvertüre verriet Hindoyans Intentionen. Ungemein mystisch und fragil hoben die ersten Takte an, die gesellige Fröhlichkeit der Gesellschaft hatte zugleich etwas Brutales und deren Vergnügungssucht etwas von trauriger Hektik. Auch im weiteren Verlauf wurden die von Verdi eingesetzten zahlreichen Emotionen immer vieldeutig musikalisch ausgeleuchtet, schwebend Geheimnisvolles herausgearbeitet. Die subtile Orchesterbegleitung ermöglichte auch den Sängern eine nicht minder nuancierte Charakterdarstellung und machte Brüche in den Charakteren auch musikalisch deutlich. Konwitschnys reduzierte Inszenierung unterstützt zusätzlich die psychologische Deutung der Emotionen.
Margareta Klobu?ar, die sich als Violetta bereits als Nachfolgerin der hochgelobten Marlis Petersen bewährt hatte, gelang der Wandel von einer koketten, flatterhaften Person zur reifen Liebenden und die Darstellung einer "verstörten Seele" (so der Text) mit berührender Glaubwürdigkeit.
Neuling Ales Jenis meisterte sein Debüt stimmsicher, kraftvoll und unangestrengter als sein Vorgänger und wurde vom Publikum mit entsprechendem Applaus belohnt. Giuseppe Varano als Alfredo, Fran Lubahn als Annina und Konstantin Sfiris als Arzt standen ebenso für verlässliche Qualität wie der großartige Opernchor. Das Publikum dankte durchaus euphorisch. EVA SCHULZ La Traviata. Von Giuseppe Verdi. Oper, Graz. 20. und 31. 10., sowie 2., 9., 16. und 25. 11., je 19.30 Uhr. Tel. (0316) 80 00
















