Ursula Krechel gewinnt den deutschen Buchpreis 2012
Der Deutsche Buchpreis 2012 geht an Ursula Krechel (65). In ihrem Roman "Landgericht" verbannt sie Deutschland auf die Anklagebank. Von Werner Krause.

Foto © ReutersUrsula Krechel mit ihrem Roman "Landgericht"
Von einem Generationenwechsel in der Literatur schrieb unlängst die deutsche "Zeit" und listete eine lange Reihe von überaus erfolgreichen Autorinnen und Autoren auf, allesamt knappe 30 Jahre alt. Einer von ihnen, der Grazer Literat Clemens Setz, konnte sich auch berechtigte Hoffnungen auf den begehrten Deutschen Buchpreis machen. Die Auszeichnung, die Montagabend in Frankfurt als inoffizieller Auftakt zur Buchmesse zum achten Mal vergeben wurde, ist mit 25.000 Euro dotiert, doch das ist in finanzieller Hinsicht nebensächlich. Denn die weit einträglichere Konsequenz sind zumeist Rekordauflagen des preisgekrönten Werkes.
Unbeugsam und konsequent
Doch nicht der ambitionierten jungen Autoren-Garde gab die hochkarätige Jurorenrunde einen weiteren Motivationsschub, sie entschied sich für eine stille, aber unbeugsame und konsequente "Altmeisterin". Der Preis wurde Ursula Krechel für ihren Roman "Landgericht" zugesprochen. Es ist ein berührendes, aber auch höchst unbequemes Werk, aus der Feder einer Autorin, die lange Zeit nur Gedichte schrieb und erst fünfzig Jahre nach ihren ersten poetischen Betätigungen als Roman-Schriftstellerin debütierte. "Ich war kritisch der Form gegenüber", sagte sie kürzlich in einem Interview. Um nun, keineswegs nur formal, in der obersten Liga präsent zu sein.
"Er war angekommen", so beginnt Ursula Krechels Buch, mit einem Protagonisten, der, als jüdischer Richter, einstmals vor den Nazis fliehen musste und nach seiner Wiederkehr in den Gründungsjahren Deutschlands auf einen Normalzustand hofft. Doch ihn erwarten erneut Ignoranz und Ablehnung. Mit einem Michael Kohlhaas unserer Tage wurde dieser Richter, der immer vehementer gegen das Unrecht kämpft, treffend verglichen.
"Meine Art der Wiedergutmachung"
Es ist ein eindringliches Werk gegen das Verdrängen, Vergessen und die Missachtung, wobei Krechel gleichsam die deutsche Nation auf die Anklagebank setzt. "Das Buch ist meine Art der Wiedergutmachung", sagt die Autorin, "in einem Land, dass vielen Menschen diese Wiedergutmachung noch immer verwehrt."
Die bisherigen Gewinner:
2011: Eugen Ruge für "In Zeiten des abnehmenden Lichts"
2010: Melinda Nadj Abonji für "Tauben fliegen auf"
2009: Kathrin Schmidt für "Du stirbst nicht"
2008: Uwe Tellkamp für "Der Turm"
2007: Julia Franck für "Die Mittagsfrau"
2006: Katharina Hacker für "Die Habenichtse"
2005: Arno Geiger für "Es geht uns gut"
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