Ein Neustart als Balanceakt
"Mein Name ist Markus Lanz - ich bin der Neue": Als Gastgeber von "Wetten, dass . . ?" war er einer, der sich mit den Kandidaten misst. Neu war nicht nur der Gastgeber. Von Christoph Steiner und Christian Ude.

Foto © APAMarkus Lanz mit Wettkandidat Julian
Das ZDF, deren Unterhaltungschef anno 1981 von der "miesesten Unterhaltungsshow aller Zeiten" sprach, hat versucht, den TV-Dinosaurier des Samstagabends aufzufrischen. So begann es mit einem Star-Auflauf - die Promi-Paten mussten nicht in den Garderoben warten und brachten die ihnen zugeordneten Wettkandidaten gleich mit. Ein Hollywood-Idol, das nur wenige Minuten auf der (drehbaren) Couch Platz nimmt, die nun grau und orange ist, weil der Flieger wartet, sollte Vergangenheit sein. Entweder ganz oder gar nicht, lautete das Credo. Wobei man bei Jennifer Lopez gleich wieder eine Ausnahme machte.
Die Fragen von Markus Lanz an seine Gäste kamen knapp, waren von seiner Redaktion gut vorbereitet. Gottschalk hatte sich ja immer gegen Vorgeschriebenes verwehrt. Bei den Wetten hatte man durchaus das Gefühl, dass sie Lanz auch selbst gerne versuchen würde. Was er z. B. bei der Bierkiste ja unter Beweis stellte. Motto: Ich bin mittendrin, nicht bloß launiger Präsentator. Den Zeitrahmen (um eine Stunde) überzogen hat er wie der große Blonde.
Die Wetten
Gute Innovation: Wettkandidaten werden in Kurzfilmen vorgestellt, die Wette auch von den Paten erklärt. Trotz (oder wegen?) Sylvie van der Vaarts inbrünstiger Anfeuerungen scheiterte Cihan (Bild links) aus Esslingen. Es gelang ihm knapp nicht, auf einem Seil balancierend vier Bälle per Fallrückzieher im Tor zu versenken, ohne herunterzufallen. Ein netter Auftakt, der beim Publikum sensationell: Cihan wurde Wettkönig. Traditionell herzig und beeindruckend die Kinderwette: Der zehnjährige Julian (Bild, oben) hatte keinerlei Schwierigkeiten, das S-Bahn-Netz Berlins mit allen Haltestellen auswendig runterzurattern. Spektakulär die Außenwette: Wakeboarder Max ließ sich von Profiruderern über den Rhein ziehen. Dabei durfte er nicht untergehen und musste zudem noch einen Hindernisparcours bewältigen - Wette gewonnen. Nur mit Mühe erkannte Monika vier aus 22 Hunderassen blind an den Haaren. Pech hatte Johann aus Oberösterreich. Er wollte mit seinem Traktor auf zwei Rädern dahintuckern, doch kippte er nach wenigen Sekunden auf alle vier. Sympathisch ist die Neuerung, dass die Wettkandidaten während der gesamten Sendung viel Kontakt mit ihren prominenten Wettpaten haben.
Die Show-Acts
Ein Heimspiel in Düsseldorf hatten die Toten Hosen, dessen Bandleader Campino auch auf der Couch saß. Dorthin fand auch Jennifer Lopez, die nach ihrem Song 40 Minuten hinter der Bühne pausierte. Senkrechtstarter Cro, der Rapper mit der Pandamaske, war für das junge Publikum bestimmt, die Formation Voca People für das Lagerfeuer. Locker und lässig intonierte Cro seinen Hit "Easy" und irritierte kurz mit dem Aufdruck auf seinem T-Shirt: "Was reimt sich auf Lanz?" Die kreuzbrave Lösung stand am Rücken: Gans.
Die Gäste
Gewöhnungsbedürftig, dass alle Stargäste bei Sendungsbeginn in die Halle gebeten werden, wo zu Beginn viel Belangloses durcheinandergeplappert wurde. Erst ab 21 Uhr ergaben sich mit einem sehr ernsten Karl Lagerfeld, dem lockeren Rolando Villazón , einem auf# geweckt-witzigen Wotan W. Möhring , Hannelore Kraft sowie Ehepaar van der Vaart auch Interviews. Viel Neues erfuhr man nicht - diese Tradition hat Lanz von Gottschalk übernommen, er wollte aber mehr und war gut gebrieft. Jennifer Lopez nahm nach dem Singen doch Platz.
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Bild vergrößernVan der Vaart versucht sich im Seitfallzieher, Lanz scheitert an der VorlageFoto © AP

















