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    Zuletzt aktualisiert: 25.10.2012 um 21:35 UhrKommentare

    Musik für die gepflegte Herbstmelancholie

    Die Tage werden kürzer, die Bäume zuerst bunt, dann kahl: Zum Herbst gehört die passende Musik - nach einer Inventur der Plattensammlung empfahlen sich zehn Nummern für einen Soundtrack in dunklen Farben. Thomas Golser wählte aus.

    Foto © Thomas Golser

    Yo La Tengo - "Autumn Sweater"

    Das seltsame - streng alternativ angelegte - Trio Yo La Tengo darf den Anfang dieses bunten Herbstreigens machen und brachte dafür die akustische Daunenjacke mit. Wenn der Sommer auch mit viel Fantasie nicht mehr anwesend ist, kann man sich wenigstens noch an der Musik wärmen. Über einen lässigen Drumbeat hat sich eine Orgelmelodie wie Herbstlaub auf den Boden gelegt, dazu reflektiert der Sänger - und dann setzt ein betörender Bass ein. Eine clever gemachte Nummer, die desperat klingt ohne dabei ganz auf die Hoffnung als Nachhut zu vergessen: "We could slip away, wouldn't that be better? Me with nothing to say, and you in your autumn sweater". Lassen wir so stehen.

    zu finden auf: "I Can Hear The Heart Beating As One", 1997



    Soulsavers Featuring David Gahan - "Take Me Back Home"

    Rich Machin und Ian Glover sind ihres Zeichens nordenglische Produzenten - daneben legten sie aber auch selbst einige ausgezeichnete Alben vor. Für ihr bislang letztes Werk luden die zwei Seelenretter kurzerhand David "Dave" Gahan von der äußerst haltbaren Synthie-Pop-Institution Depeche Mode ein - und es wurde schön und schwer und gut. Hier ist alles drinnen, wonach Herbst-Melancholie so schreien mag: Es gibt jubilierende Chöre, klagende Streicher, eine Hammond-Orgel, die einen warm einpackt - und dazu Gahans Stimme, die auch in einem anderen Kontext als man es gewohnt ist, funktioniert: Wahrscheinlich hat der selbst vom Leben Durchgebeutelte noch niemals besser gesungen als hier. Nichts für einen beschwingten Frühlingsmorgen, eher wie schwerer Wein zur Abendstunde. Zünden Sie schon einmal die Kerzen und die Räucherstäbchen an.

    zu finden auf: "The Light The Dead See", 2012



    Neil Finn - "Anytime"

    Neil Finn, Kopf von Crowded House und ganz nebenbei seit bereits drei Jahrzehnten einer der talentiertesten Songwriter (Lennon, schau runter, McCartney spitz' die Ohren), weiß es: Passieren kann es im Leben jederzeit - vor allem das, was nicht passieren sollte. Ein Gedanke, der einen nicht nur im Herbst des öfteren beschleichen könnte. Über einem kleinen Piano-Motiv (vor allem in diesem Live-Video im Vordergrund - eine mutige Konzertbesucherin hilft aus) gibt es nur die unvergleichliche Stimme des Neuseeländers und seine akustische Gitarre zu hören. Mehr braucht es nicht für bittersüße Traurigkeit und einen bezaubernden Popsong in den Farben Dunkelrot und Gelb. Anytime, Mr. Finn!

    zu finden auf: "One Nil", 2001



    Ben Howard - "The Wolves"

    Ben Howard ist spätpubertäre 25 Jahre jung - und doch legte der Brite mit "Every Kingdom" ein reifes, hoch gelobtes Debütalbum vor, das Lust auf mehr macht. Bob Dylan scheint einen guten Platz in seiner Plattensammlung einzunehmen, nicht das allerschlechteste aller Vorbilder. Im Unterschied zum grantelnden "Übervater" kann Howard aber auch wirklich gut singen - dazu verlangen einem ausgezeichnet gespielte Gitarre und starke Songs, wie sie auch in den 1960er-Jahren vorstellbar gewesen wären, Respekt ab. Wer Nick Drake für einen Genius hält, darf zuhören: Immerhin nahm Howard mit Island Records für das gleiche Label wie der legendäre Künstler auf - 40 Jahre später. "Falling from high places, falling through lost spaces. Now that we're lonely, now that there's nowhere to go. Watching from both sides, these towers been tumbling down. I lost my mind here, I lost my patience with the lord. We lost faith, oh in the arms of love".

    zu finden auf: "Every Kingdom", 2011



    Lee Hazlewood - "My Autumn's Done Come"

    Was für eine Stimme. Was für ein Songwriter. Lee Hazlewood (1929-2007) komponierte Welthits wie "These Boots Are Made For Walking" oder "Summerwine", Standards mittlerweile. Tausendfach gecovert und doch unverwüstlich. "My Autumn's Done Come" ist ein weiterer - die Einnahme empfiehlt sich, wenn der Sommerwein endgültig aufgebraucht ist und auch die Bäume ihre Blätter verlieren. Der Herbst von seiner monochromen Seite - wie alte Schwarzweißfotos oder wie in ein Buch geklebtes Herbstlaub, das man plötzlich wiederfindet. Zurückhaltende Akustikgitarren, Streicher und Klavier hellen den Song nicht wirklich auf, doch das war vom bissigen Grummler auch gar nicht beabsichtigt.

    zu finden auf: "The Very Special World of Lee Hazlewood", 1966



    Sivert Høyem - "Where Is My Moon?"

    Sivert Høyem singt den vollen Mond an - mit einer Stimme, die als geniale Kreuzung von Johnny Cash und Chris Isaak gelten darf, vor allem, wenn es so sentimental wie hier wird. Im Norden scheint die Nacht irgendwie immer dunkler als anderswo zu sein - und die Gefühle dazu. Das feine, schlichte und in Schwarzweiß gehaltene Video im Retro-Look ist schon mehr Winter als Herbst - aber das geht ja dann oft recht schnell. Høyem, einmal mehr eine sichere Bank, wenn es um großes Sentiment geht. Doch lassen Sie sich jetzt mal nicht täuschen, dieser Mann kann auch rocken wie eine norwegische Wildsau.

    zu finden auf: "Where Is My Moon?", 2012

    Elbow - "Red"

    Die wunderbaren Elbow aus der Gegend um Manchester spielen mittlerweile in einer ganz eigenen Liga, vielleicht nicht in Verkaufszahlen (sie sind zum Glück nicht U2), aber gewiss in Sachen Qualität. "Red" vom ersten Album ist ein grandioses Stück Musik: mäßig partytauglich, aber ansonsten so makellos wie Popmusik sein kann. Setzen Sie sich gute Kopfhörer auf (nicht diese Stöpsel, die an Ihrem iPod hängen), machen Sie sich eine Tasse Tee, verfeinert mit einem Schuss von irgendetwas - und genießen Sie doch. "Herbstlaubsammler" zu sein ist nur unter Nichtkennern ein Schimpfwort. Weltenschmerz bringt zwar wenig bis nichts in Lot, in Form von Musik fühlt er sich aber gut an.

    zu finden auf: "Asleep In The Back", 2001



    Stephen Duffy & The Lilac Time - "So Far Away"

    Sie kennen Stephen Duffy nicht? Das könnte/sollte sich ändern! Er ist seit 35 Jahren Musiker, hatte in den 1980er-Jahren mit "Kiss Me" einen kleinen Hit, war zwischendurch Gitarrist und Songlieferant für Robbie Williams, doch seine echten Qualitäten liegen an anderer Stelle. Kleine Folknummern wie diese passen Duffy am besten - ihre Bestandteile: Schönes Fingerpicking wie es Folkies eben so lieben, dazu Mundharmonika und die schon per se in sich gekehrt wirkende Stimme des Briten. Wer auch die organischen, leisen Töne liebt, wird sich zu Hause fühlen und eintauchen können: Ein dreiminütiger Tribut an die in sich gekehrten Momente, wie ein stilles Gespräch - mit sich selbst.

    zu finden auf: "Keep Going", 2003



    Calexico - "All Systems Red"

    Die genialen Herren von Calexico dürfen in dieser herbstlich gefärbten Sammlung einfach nicht fehlen. Tucson, Arizona war schon für viele Bands der Geburtsort, ein gleichermaßen kreativer wie staubiger Ort. Das Sextett um Joey Burns und John Convertino macht seit mittlerweile 15 Jahren Musik - um ihrer selbst willen. Ein gutes Beispiel dafür ist "All Systems Red": Was zögerlich, beinahe schüchtern beginnt, endet in einem furiosen Feuerwerk aus E-Gitarren und peitschenden Drums. "I hear you can't trust in your own. Now the grey is broken in the early morn - and the words forming barely have a voice. It's just your heart that's breaking without choice". Hoffnungslosigkeit, vertont und vollendet. Wie schreibt da jemand auf YouTube unter dem Live-Video zu "All Systems Red" so treffend? "I want to live inside that beautiful guitar ending forever and ever". So ist es.

    zu finden auf: "Garden Ruin", 2006



    Pink Floyd - "High Hopes"

    Ein epischer Song, in dem es um den Verlust der Jugend geht, um Träume und Hoffnungen, die sich aus dem Staub gemacht haben, um das Verlieren von lieben Menschen auf die eine oder andere Art - und um die Sommersonne, die nicht mehr länger da ist. "The grass was greener, the light was brighter. With friends surrounded, the nights of wonder". Musik, die Gitarrist und Sänger David Gilmour nach eigenen Angaben einst wie in einem Fiebertraum und sehr schnell geschrieben hat - und doch ist es die mit Abstand beste Nummer aus der späten Phase der legendären und mittlerweile sanft entschlafenen Rockband. Das Solo an der Lap-Steel-Gitarre, das volle zwei Minuten einnimmt, ist kaum in treffende Worte zu kleiden und könnte ewig so weitermäandern.

    zu finden auf: "The Division Bell", 1994



    The National - "Lucky You"

    The National aus Cincinnati (US-Bundesstaat Ohio) haben dem Begriff Melancholie in der Musik zu neuen, höheren Weihen verholfen. Wenn Matt Berninger bitter und gebrochen von "Lucky You" singt, sind diese vier Minuten und 23 Sekunden für einen einsamen Spaziergang durch einen Herbstwald und für das letzte Bier kurz vor der Sperrstunde als Soundtrack gleichermaßen geeignet. Ein Song, der tief geht und tief rührt - geschuldet dem Bariton des Sängers und der Viola, die in der Ferne wie ein noch gegenwärtiger Geist aus der Vergangenheit zu hören ist. Superb - wie der gesamte Katalog des Quintetts.

    zu finden auf: "Songs For Dirty Lovers", 2003

    THOMAS GOLSER

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