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Zuletzt aktualisiert: 04.10.2012 um 12:24 UhrKommentare

Bauer-Jelinek: "Auch die Männer hatten nie alles"

Autorin Christine Bauer-Jelinek begründet ihre Thesen.

Foto ©

S ie predigen, erfolgreich sei, wer sich an die Regeln halte. Nun behaupten Sie, Feminismus sei Staatsdoktrin - Sie brechen also ein Tabu, ein schlimmer Regelverstoß. Welchen Karriereplan verfolgen Sie mit dem "Falschen Feind"?

CHRISTINE BAUER-JELINEK: Der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe, ist die Erfahrung, die ich in Coachings der letzten Jahre gewonnen habe. Mir fiel auf, dass diese Gedankenwelt, die ich "Allmachts-Feminismus" nenne, den Menschen immer mehr den Kopf vernebelt. Das will ich aufzeigen. Darüber hinaus bin ich eben 60 geworden, daher kann meine Positionierung viel freier erfolgen.

Nach dem Lesen Ihres Buches ist man tendenziell verzweifelt: Alle Frauen und die Hälfte der Männer machen alles falsch. Warum bieten Sie keine Auswege an?

BAUER-JELINEK: Ich bin kein Freund von Rezepten. Als Psychotherapeutin sage ich: Jemand, der drei Jahre beim Kind bleibt, macht es richtig; jemand, der Karriere machen möchte und sich an die Regeln der Macht hält, genauso - sie müssten nur dazu stehen, sonst kostet es zu viel Kraft. Der Feminismus redet uns ein, wir könnten alles haben. Auch die Männer hatten nie alles, zahlten immer einen Preis.

Sie kommen zu dem Schluss: Wenn das so weitergeht, sterben wir aus. Warum so polemisch?

BAUER-JELINEK: Das ist natürlich überspitzt, aber ich will damit zwei Gedanken ausdrücken: Mann und Frau sind anders als Arm und Reich eine existenzielle Gemeinschaft. Diese beginnt, sich aufzulösen, das halte ich für gefährlich. Zweitens: Wir sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir beschäftigen uns mit der zweitrangigen Frage, wie es den Frauen geht und vergessen das Wichtigste, die soziale Frage.

Sind Sie am Ende wirklich eine Linke: die Frauenfrage als Nebenwiderspruch in Karl Marx' Sinne?

BAUER-JELINEK: Ja, dann bin ich Marxistin. Die Herrschenden hatten immer Frauen an ihrer Seite, Revolutionäre immer Revolutionärinnen, die mit ihnen kämpften . . .

. . . und danach zurück an den Herd geschickt wurden.

BAUER-JELINEK: Und das ist heute anders. Die Frauen, die es wollen, können genauso mächtig sein wie Männer. Aber wir sollten sie nicht verpflichten, es zu wollen.

INTERVIEW: EVA WEISSENBERGER


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